Prognosen für Gesamtjahr bekräftigt
Neue Merck-Medikamente kommen später

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat im ersten Quartal die einsetzende Konkurrenz bei seinem bislang umsatzstärksten Diabetes-Medikament Glucophage zu spüren bekommen.

Reuters DARMSTADT. Ende Januar waren in den USA erste kostengünstigere Nachahmermittel für Glucophage auf den Markt gekommen. Das habe bereits Auswirkungen auf Umsatz und Gewinne gezeigt, teilte das drittgrößte börsennotierte deutsche Pharmaunternehmen am Mittwoch mit. Das ganze Ausmaß werde jedoch erst Ende des zweiten Quartals erkennbar sein.

Im Auftaktquartal 2002 sank nach Merck-Angaben das operative Ergebnis um 15,2 Prozent auf 181,9 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings einen etwas stärkeren Rückgang erwartet.

Der Umsatz stieg leicht um 6,8 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Merck bekräftigte ferner frühere Prognosen, wonach für 2002 ein einstelliges Umsatzwachstum und ein rückläufiges operatives Ergebnis zu erwarten sei.

Pharma unter Druck, Chemie schwierig

Die Pharmasparte werde 2002 weiter den Hauptanteil am Umsatz erwirtschaften, hieß es. Dabei kämen die Umsätze vor allem durch die Diabetes-Produkte aus der Glucophage-Familie sowie durch die Herz-Kreislauf-Mittel des Konzerns.

Bei den eigenen Generika erwarte Merck ein gutes Wachstum. Für die Chemiesparte bleibe die Lage schwierig. Hier lasse mit Ausnahme der Flüssigkristalle der erwartete Aufschwung auf sich warten.

Die Ergebnisse des ersten Quartals entsprachen nach Merck-Angaben den eigenen Erwartungen. "Angesichts der widrigen Umstände für Merck und die Wirtschaft im allgemeinen können wir mit den Ergebnissen des ersten Quartals zufrieden sein", erklärte Konzernchef Bernhard Scheuble.

In der Pharmasparte verzeichnete Merck ein Umsatzplus von neun Prozent, das operative Ergebnis ging aber um den gleichen Prozentsatz zurück. Mit seinen Mitteln der Glucophage-Familie setzte Merck angesichts des generischen Wettbewerbs deutlich weniger um als ein Jahr zuvor. Der Umsatz mit diesen Mitteln sank um 61 Prozent auf 253 Millionen Euro.

In der Chemiesparte stieg der Umsatz um drei Prozent bei einem um ein Drittel verringerten operativen Ergebnis. Die Labordistribution VWR International, die Merck bald in den USA an die Börse bringen will, verzeichnete ein Umsatzplus von sieben Prozent. Das operative Ergebnis nahm um ein Viertel zu. Im März hatte sich Konzernchef Scheuble für den Börsengang bereits die Unterstützung durch Investmentbanken gesichert.

C225-Zulassung verzögert sich

Der Antrag auf Zulassung des Krebsmedikaments Erbitux/C225 in der Europäischen Union werde nun erst in der ersten Jahreshälfte 2003 eingereicht und nicht wie bisher geplant im zweiten Halbjahr 2002. Dafür werde Merck den Antrag auf Zulassung des Mittels für die Behandlung von Kopf-Halskrebs um die zusätzliche Anwendung Enddarmkrebs erweitern. Die Gewinnerwartungen für das Medikament blieben unverändert.

Nach Einschätzung von Analysten wird Merck länger mit den Schwierigkeiten der Glucophage-Konkurrenz kämpfen müssen. Die Zeitspanne bis zu den ersten neuen Medikamenten sei nun größer, sagte Merrill-Lynch-Analyst Andreas Schmidt. "Man hätte eine schwierige Periode von sechs bis neun Monaten erwartet, aber nun könnten es die vollen Jahre 2002/2003 sein, bis die Gewinne wieder substanziell nach oben gehen," sagte Schmidt.

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