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Prognosen locken wieder Investoren in die Biotech-Branche

Noch sind die Aktien der amerikanischen Biotechnologie-Industrie weit vom Hoch des vergangenen Herbstes entfernt. In der zurückliegenden Woche jedoch haben sie um 15 % zugelegt - und sich damit deutlich von ihrem Tief im März erholt. Auslöser dafür sind die erwarteten guten Ertragszahlen der Biotechnologie-Unternehmen im ersten Quartal 2001

HB NEW YORK. Das Unternehmen Biogen hat in der vergangenen Woche seine Ergebnisse bekannt gegeben. Der Nettogewinn fiel zwar um 40 % auf 72 Mill. $ oder 47 Cents pro Aktie. Doch der Rückgang ist nach Angaben des Unternehmens aus Cambridge (Bundesstaat Massachussetts) auf einmalige Einnahmen im Vorjahr zurückzuführen. Ohne einmalige Aufwendungen stieg der Gewinn gegenüber dem ersten Quartal 2000 um 9 % auf 70,6 Mill. $ oder 46 Cents pro Aktie. Der Umsatz kletterte im gleichen Zeitraum von 217 Mill. $ auf 237 Mill. $.

Die Verkaufszahlen von Avonex, das einzige Medikament, das Biogen auf den Markt gebracht hat, übertrafen mit 220 Mill. $ die Erwartungen der Analysten. Die anderen Einnahmen stammen von Lizenzgebühren für Biogens Technologie.

Positiv waren auch die Ergebnisse von Genentech, das als wegweisend für die gesamte Branche gilt. Das ebenfalls in Cambridge angesiedelte Unternehmen erfüllte die Erwartungen der Analysten mit einem Nettogewinn von 91,2 Mill. $ oder 17 Cents pro Aktie. Im ersten Quartal des Vorjahres lag der Gewinn noch bei 76 Mill. $ oder 14 Cents pro Aktie. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum von 387,9 Mill. $ auf 540,1 Mill. $. Dazu trugen vor allem die Krebsmedikamente von Genentech bei.

In dieser Woche legen Genzyme und Medimmune ihre Ergebnisse vor. Amgen, Vertex, Celera, Chiron, Gilead, Protein Design Labs und Human Genome Sciences werden noch vor dem Monatsende folgen. Franklin Berger, Analyst bei der Investmentbank J.P. Morgan erwartet bei den großen Namen keine Überraschungen und rechnet mit besseren Ergebnissen und Umsätzen als noch vor einem Jahr. "Biotech-Firmen sind gegenüber Konjunkturflauten fast immun", erklärt der Analyst der Investmentbank SG Cowen, Eric Schmidt, den Optimismus der Branche. "Ich rechne nicht damit, dass es bedeutende Korrekturen bei den Gewinnprognosen für die nächste Zeit gibt", sagt er.

Amgen wird voraussichtlich seine Gewinne steigern können, allerdings langsamer als erwartet. Bei dem Branchenriesen ist noch unsicher, ob er es schafft, Aranesp auf den Markt zu bringen, ein Nachfolgeprodukt des erfolgreichen Anämie-Medikaments Epogen. Medimmune wird wahrscheinlich ebenfalls höhere Gewinne vorlegen.

Allerdings bleiben bei den meisten Biotech-Unternehmen schwarze Zahlen weiterhin die Ausnahme. Das ist in einer jungen Branche mit extrem langen Entwicklungszeiten auch nicht verwunderlich. Entscheidend ist, welche Entwicklungen in den Labors heranreifen - das, was im Branchenjargon Pipeline heißt. "Wenn man nichts in der Pipeline hat, helfen auch Gewinne nicht", sagt Schmidt.

Viele Biotech-Unternehmen haben sich mittlerweile erfolgreich vom reinen Technologie- zum Pharmaunternehmen gewandelt und werden ihre Produkte in den nächsten Jahren auf den Markt bringen. Andere Analysten spekulieren bei Corr Therapeutics und Celgene auf ein Plus in der zweiten Jahreshälfte.

Mit mehr als 500 Punkten bleibt der US-Biotechnologie-Index allerdings immer noch extrem weit von den 800 Punkten entfernt, die er im vergangenen Herbst erreicht hatte. Die Biotech-Unternehmen können sich dem Sog der schwachen Technologie-Börse Nasdaq nicht entziehen. "Der Biotech-Index wird den Nasdaq-Index nicht schlagen können", sagt Analyst Berger von J.P. Morgan.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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