Prognosen sind wichtiger als Umsatz- und Gewinnzahlen
Computerbranche belastet High-Tech-Branche

Weltweit zitterten die Anleger, als der Dow-Jones-Index die 10 000-Punkte-Marke nach unten durchbrach. Doch dann stahl Nokia den Amerikanern die Show und führte die Börse auf Erholungskurs. Analysten sind optimistisch, dass die schlechten Nachrichten raus sind und nun bessere Zeiten anstehen.

DÜSSELDORF. Mit seinem vorgezogenen Quartalsbericht rettete Jorma Ollila vermutlich viele hundert Milliarden Dollar Anlegergeld. Als Nokia die Finanzwelt mit guten Umsätzen und Ergebnissen für das abgelaufene Quartal überraschte, stoppte weltweit die Talfahrt an den Börsen. Über 300 Punkte legte an den beiden Folgetagen die US-Technologiebörse Nasdaq zu, weil Investoren auf ein Ende der schlechten Nachrichten hofften. Da störten auch dunkle Wolken bei SAP und Apple nicht. Beide Konzerne enttäuschten mit ihren Quartalsberichten, weil Anleger auf bessere Prognosen gehofft hatten.

"Nach den überwiegend guten Zahlen aus den USA zeichnet sich eine Trendwende ab. Die schlechten Nachrichten sind raus, indem einige Gewinnschätzungen nach unten revidiert wurden. Jetzt stehen viele gute Ergebnisse bevor", glaubt Volker Borghoff von der DG Bank an eine bessere Zukunft für High- Tech-Aktien: "Die US-Technologiebörse Nasdaq wird wieder steigen, auch wenn 5 000 Punkte so schnell nicht mehr erreicht werden", ist sich der Stratege sicher. Seiner Meinung nach werden auch in den nächsten Wochen einige Enttäuschungen vor allem im Computerbereich nicht ausbleiben.

Die oben erwähnten Unternehmen und ihre Quartalsberichte zeigen, wie sehr Anleger immer mehr innerhalb der High-Tech-Branche unterscheiden. Mehr Umsatz und Gewinn bedeuten noch keine höheren Kurse, wenn die Prognosen nicht eine noch bessere Zukunft verheißen. Vor allem die Computerriesen leiden unter diesen Forderungen. Zwar legte die Microsoft-Aktie kräftig zu, nachdem der Konzern für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres höhere Gewinne und Umsätze präsentierte. Doch zuvor war die Aktie auf ein 52-Wochentief gefallen. Investoren geben sich bei dem Giganten inzwischen mit einstelligen Steigerungsraten zufrieden. Apple verfehlte die ohnehin schon geringen Erwartungen und kündigte zwei weitere enttäuschende Quartale an. Seit September verlor der Titel fast 70 % an Wert.

Zumindest am unteren Rand der Erwartungen lagen die Zahlen bei SAP. Der deutschen Softwareschmiede ist es gelungen, nach dem erfolgreichen R3-Betriebsprogramm mit dem elektronischen Handelssystem mySAP.com erneut eine leistungsfähige Plattform zu präsentieren. Doch Investoren zeigen sich besorgt über die hohen Aufwendungen für das Mitarbeiterprogramm Star, wodurch der Gewinn erheblich geschmälert wird.

Nokia trotzt Befürchtungen, der Handy-Boom könnte abebben

Wie nah Freud und Leid beieinander sind zeigen Nokia und Ericsson. Einmal mehr haben die Finnen ihren schwedischen Konkurrenten geschlagen. Diesmal jedoch um Längen. Während Ericsson die Prognosen deutlich herunter schraubte - der Umsatz wird im Gesamtjahr anstelle von 35 nur um 25 % und der Gewinn nur um 6-7 % gegenüber den angepeilten 10 % zulegen -, trotzte der weltweit größte Mobiltelefon-Hersteller den Branchenbefürchtungen vor einem Abflauen des Handy-Booms. Umsatz und Gewinn legten kräftig zu, und auch für die nächsten Quartale werden Zuwachsraten erwartet, die klar im zweistelligen Prozentbereich liegen. "Nokia nimmt den Konkurrenten immer mehr Marktanteile ab. Der Weltmarktanteil dürfte von 30 auf knapp 35 % gestiegen sein", meint Simon Scholes von der Bankgesellschaft Berlin. Am interessantesten ist für den Analysten der Ausblick auf 2001: "Nokia erwartet entscheidende Impulse vom Massenmarkt und weniger vom WAP-Handy. Der Trend zum Ersatz-Handy treibt den Markt weiter an", betont Scholes.

Während fast alle Experten der Nokia-Aktie überdurchschnittliche Kursgewinne zutrauen, gehen die Meinungen über die Schweden auseinander. Das Investmenthaus Standard & Poor?s revidierte seine Aussicht für die Bonitätseinstufung von "stabil" auf "negativ". Kritisch ist auch M.M.-Warburg-Analyst Holger Struck: Die Weltbörsen differenzierten immer mehr zwischen erfolgreichen und enttäuschenden Unternehmensberichten. Dagegen hält die Londoner Investmentbank Goldman Sachs dem Titel die Treue: Ericsson sei langfristig einer der führenden Anbieter für UMTS-Mobiltelefone. Bislang schloss das Unternehmen in Europa 16 von 21 UMTS-Verträgen ab.

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