Prognosen vom Deutschen Werbekongress in München: Krieg verschärft Werbekrise

Prognosen vom Deutschen Werbekongress in München
Krieg verschärft Werbekrise

Durch den Irak-Krieg drohen der deutschen Werbewirtschaft weitere Einbußen. Wachstumschancen gibt es allerdings für Internet und mobile Medien.

REUTERS Die deutsche Werbewirtschaft rechnet nach den jüngsten Umsatzeinbrüchen wegen der allgemeinen Konjunkturflaute mit weiteren Einbußen durch den Irak-Krieg. Wachstumschancen gebe es aber für Internet und mobile Medien, sagten Vertreter von Unternehmen, Medien und Werbeagenturen am Donnerstag auf dem Deutschen Werbekongress in München.

"Der Golfkrieg pulverisiert die Planungssicherheit der Medien im Werbegeschäft", sagte Josef Trappel vom Basler Medienforschungsinstitut Prognos, das für den deutschen Werbemarkt zuvor ein moderates Wachstum für 2003 prognostiziert hatte. "Die Werbeausgaben werden weiter sinken. Ich sehe die Entwicklung düster", stimmte auch Andrew Schwager, Marketing-Direktor beim Zigarettenhersteller British American Tobacco zu. Selbst bei der Kölner RTL-Gruppe, die gerade mit "Deutschland sucht den Superstar" einen Riesenerfolg verbuchen konnte, überwog die Skepsis: "Es geht uns im TV-Bereich zwar nicht so schlecht wie den Printmedien, aber alles andere als gut", sagte Walter Neuhauser, Vorsitzender der Geschäftsführung der für Fernsehwerbung verantwortlichen IP Deutschland. "Preiserhöhungen sind derzeit allerdings nicht durchsetzbar."

Optimistische Signale kamen allenfalls aus dem Lager der Verfechter von Internet und mobiler Kommunikation als Werbeträger. "In drei Jahren sollten zehn Prozent der Werbeausgaben in den Online-Bereich fließen", sagte Burkhard Graßmann, Vorstandsmitglied der T-Online International AG. Derzeit sind es in Deutschland nur 1,5 Prozent. Graßmann stützte seine Zuversicht vor allem auf zwei Zahlen: Allein in Deutschland gebe es 33 Millionen Internet-Nutzer, die inzwischen täglich 33 Minuten durchschnittlich im Internet verbringen. "Bis 2006 sollte sich die Nutzungsdauer verdoppeln", sagte er.

Auch dann bliebe das Internet noch weit hinter dem Medium Fernsehen zurück, das im Durchschnitt täglich gut drei Stunden genutzt wird. Trotzdem wollen viele werbetreibende Unternehmen tatsächlich zunehmend auf das Internet und die Kommunikation mit Kunden über mobile Endgeräte wie Handys setzen. "Für den immer wichtiger werdenden Dialog mit den Konsumenten wird Online die Print-Medien um Längen schlagen", prognostizierte Michael Trautmann, Leiter Zentrales Marketing bei Audi. Uwe Bergheim, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Mobilfunkbetreiber E-plus, schwebt bereits vor, per SMS und Internet Kunden jederzeit individuelle Angebote machen zu können. "Die klassische Werbung muss sich neu erfinden. Für die Information und die Kaufentscheidung der Konsumenten verliert sie zunehmend an Bedeutung."

Viele Printverlage setzen angesichts dieser Situation auf gemeinsame Werbekampagnen mit den Online-Medien. Im Axel Springer Verlag gilt die Kooperation von Bild-Zeitung und T-Online als Erfolg versprechendes Beispiel für crossmediale Werbung. Bild-Geschäftsführer Christian Nienhaus: "Gemeinsam mit der Handelskette Plus haben wir auf diese Weise innerhalb kurzer Zeit rund 40.000 Volks-PCs verkauft."

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