Programm "Olympia"
Opel will Milliarden sparen und Kapazität kürzen

Opel-Chef Carl-Peter Forster kündigte am Mittwoch in Rüsselsheim drastische Kapazitätsschnitte sowie strategische Maßnahmen an, mit denen die Tochter des weltgrößten Autobauers General Motors (GM) zügig wieder in die Gewinnzone zurückkehren will. Dazu könne auch der Abbau einiger Tausend Arbeitsplätze zählen.

Reuters RÜSSELSHEIM. Alle Fabriken in Europa stünden auf dem Prüfstand, die Schließung von deutschen Standorten sei dabei "eine von vielen Alternativen", sagte Forster. In Deutschland unterhält Opel Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern.

Mit dem Restrukturierungs- Programm "Olympia" wollten Opel und GM Europe kurzfristig und dauerhaft wieder in die Gewinnzone vorstoßen, erläuterte Forster. Dazu plane das Unternehmen Einsparungen von mehr als zwei Mrd. ?. Opel habe erhebliche Überkapazitäten aufgebaut und zugleich Marktanteile verloren. GM-Angaben zufolge wollen Opel/Vauxhall in diesem Jahr den Europa-Marktanteil bei etwa 9,6 % und damit knapp über Vorjahresniveau halten. Der Aktienkurs des US-Konzerns zog im frühen New Yorker Geschäft um 1,3 % an.

Zur Kundengewinnung seien wie in der gesamten Branche Nachlässe gewährt und Kauf-Anreize angeboten worden, die wiederum die Ertrags-Lage belastet hätten, erläuterte Forster die Ursachen der Finanzmisere weiter. "Wir sind in einer Spirale, die wir mit 'Olympia' durchbrechen wollen", unterstrich der Vorstandschef. Der Konzern werde "an allen Stellschrauben drehen", um wieder profitabel zu werden. Die nun vorgestellten Pläne seien ein "Zwischenbericht" und keine "endgültigen Entscheidungen", die erst im September vorgestellt würden.

Forster zufolge will Opel/GM bis Ende 2003 die Gesamtkapazität um etwa 15 % herunterfahren, was etwa 300 000 bis 350 000 Fahrzeugen entspreche. Dazu müssten nicht unbedingt Fabriken geschlossen werden. Alternativ denke das Unternehmen über die Reduzierung von Kapazitäten an mehreren Standorten nach. Die Frage werde derzeit noch unter anderem mit dem Betriebsrat diskutiert. Jede Fertigungsstätte in Europa stehe vor der Aufgabe, Effizienz und Produktivität zu steigern.

Etwaige Einschnitte bei den Arbeitsplätzen würden "sozialverträglich und akzeptabel für alle Beteiligten" unternommen, kündigte Forster an. Wie viele Stellen abgebaut werden, sagte er nicht. Allein bei der Fahrzeugmontage gehe es um eine "kleine einstellige Tausenderzahl". Neben den Kürzungen bei der Fertigung soll auch die Zahl der Händler um die Hälfte reduziert werden. Der Konzern verfügt den Angaben zufolge derzeit über etwa 2500 Verkaufsstellen.

GM Europe will auch verschiedene strategische Maßnahmen zur Verbesserung der Geschäfte ergreifen. So wolle Opel künftig stärker mit Partnern etwa bei der Produktion spezieller Fahrzeug-Komponenten zusammenarbeiten. Auch sollen der Bestell- und Lieferprozess neu ausgerichtet werden. Die Fahrzeug-Palette von Ope/Vauxhall werde um Sonder- und Nischen-Modelle erweitert. Insgesamt sollen in den kommenden zehn Jahren zehn Mrd. ? in die Produktentwicklung fließen. Daneben will GM Europe durch die Ausweitung von Aktivitäten rund um den Autobau wie etwa Ersatzteile, Finanzdienstleistungen, Leasing oder Gebrauchtwagen zusätzliche Umsatzpotenziale erschließen.

GM will die Marke Opel stärken und ausbauen

GM will den Angaben zufolge auch die Marke Opel stärken und "revitalisieren" sowie die Werbung und Vermarktung voran treiben. Opel stehe als innovative Marke, basierend auf "traditionellen deutschen Ingenieurleistungen", hieß es. Für den Herbst kündigte Opel eine neue Präsentation der Firma nach Außen ("Corporate Design") an. Zugleich sagte Forster jedoch, dass im Zuge der geplanten Einsparungen auch die Werbeausgaben genau unter die Lupe genommen würden, was auch das Sponsoring des deutschen Fußball-Meisters FC Bayern München einschließe.

Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall sind neben dem früheren schwedischen Autobauer Saab die wichtigsten europäische Marken von General Motors. Opel/Vauxhall verfügten Ende 2000 über 16 Werke in Europa. Einschließlich Saab beschäftigte GM Europe rund 88 000 Menschen, Opel zählte 42 668 Mitarbeiter. Der Marktanteil von Opel in Deutschland wie auch der von GM Europe war im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Der Inlandsabsatz von Opel brach um etwa ein Fünftel ein, während der Gesamtmarkt um elf Prozent schrumpfte. Im vergangenen Jahr wies Opel bei einem Umsatz von fast 33,5 Mrd. DM einen operativen Verlust von 982 Mill. DM aus. Für das laufende Jahr rechnet Opel nach bisherigen Angaben mit einem konstanten Marktanteil im Inland bei etwa 12,2 %.

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