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Projekt soll potenzielle Kinderschänder früh entdecken und stoppenDPA-Datum: 2004-07-11 11:25:01

Berlin (dpa) - Mit einem weltweit einzigartigen Projekt wollen Berliner Forscher helfen, sexuelle Übergriffe auf Kinder zu verhindern: Sexualwissenschaftler der Charité bieten Männern mit pädophilen Neigungen im Rahmen einer Studie eine vorbeugende Therapie an.

Berlin (dpa) - Mit einem weltweit einzigartigen Projekt wollen Berliner Forscher helfen, sexuelle Übergriffe auf Kinder zu verhindern: Sexualwissenschaftler der Charité bieten Männern mit pädophilen Neigungen im Rahmen einer Studie eine vorbeugende Therapie an.

«Wir wollen damit therapiebereite Männer im so genannten Dunkelfeld ansprechen - also solche, die sich zu Kindern hingezogen fühlen, aber noch nicht rechtsbekannt oder verurteilt sind», sagte Projektleiter Prof. Klaus Michael Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin, in einem dpa-Gespräch.

Jährlich werden laut Polizeistatistik etwa 20 000 Kinder Opfer sexueller Gewalt. «Aber die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher», sagt Beier. Aus einer eigenen empirischen Untersuchung an ihrem Institut wissen die Forscher, dass sich rund die Hälfte der befragten Männer von abweichenden sexuellen Neigungen angesprochen fühlt. «Denjenigen Männern, die um diese Neigung wissen und Angst haben, sich an einem Kind zu vergreifen, wollen wir helfen, das zu verhindern.» Dazu haben die Berliner Forscher eine Behandlung entwickelt, die die sexuelle Störung in den Mittelpunkt stellt und dabei neben psychotherapeutischen Methoden auch medikamentöse Unterstützung für Patienten umfasst, die dies wollen.

«Die Patienten müssen lernen, kindliche Signale nicht fälschlicherweise sexuell zu deuten und sich außerdem in die Gefühle eines missbrauchten Kindes hineinzuversetzen.» Bei Männern, die bereits Übergriffe begangen haben, gehe es zudem darum, dass sie explizit die Verantwortung für ihr Tun übernehmen und sie nicht dem Opfer zuschieben. Bei den Männern, die bereits mit dieser Methode am Institut behandelt wurden, verzeichneten die Sexualmediziner sehr gute Erfolge.

Drei Jahre lang soll das der ärztlichen Schweigepflicht unterliegende Projekt laufen, das von der Volkswagenstiftung unterstützt wird. Eine Medienkampagne, mit deren Hilfe gefährdete Männer gesucht werden, steht vor dem Start. Sorgen, dass sich zu wenig Teilnehmer melden, hat Beier nicht. «Wir wissen aus unserer Arbeit, dass die Nachfrage sehr groß ist. Viele Hilfesuchende müssen wir bisher aus Kapazitätsgründen abweisen.»

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