Projektion für 2001 und 2002
EZB erwartet zwischen 2,6 und 3,6 Prozent Wachstum

Für Analysten deuten die Projektionen der Europäischen Zentralbank für 2001 und 2002 stabile Zinsen an. Die Finanzmärkte zeigten sich von der Veröffentlichung unbeeindruckt.

Reuters FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Mittwoch ihre erste interne Schätzung zu Wachstum und Inflation in der Euro-Zone veröffentlicht und damit Analysten zufolge die Erwartung vorerst unveränderter Leitzinsen bestätigt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2001 in der Größenordnung von 2,6 bis 3,6 Prozent und 2002 zwischen 2,5 und 3,5 % wachsen, heißt es in der am Mittwoch in Frankfurt erstmals veröffentlichten Projektion der EZB. Bei der Jahresteuerung rechnet die Zentralbank im kommenden Jahr mit 1,8 bis 2,8 % und in 2002 mit 1,3 bis 2,5 %. Analysten kritisierten die Projektion jedoch als wenig aussagekräftig. Die Finanzmärkte zeigten sich von der Veröffentlichung unbeeindruckt.

Bei ihren Schätzungen legten die Zentralbanker den Angaben nach über den Zwei-Jahres-Projektionshorizont einen konstanten Euro-Dollar-Wechselkurs und einen fallenden Ölpreis zu Grunde. Redaktionsschluss für die Daten und Annahmen der Projektion war laut EZB der 9. November. Die EZB wird von nun halbjährlich jeweils im Juni- und Dezember-Monatsbericht ihre Projektionen veröffentlichen. Die Zentralbanker hatten in der Vergangenheit wiederholt betont, dass es sich bei den Projektionen nicht um klassische Prognosen handele, da sie unter der Annahme konstanter Zinsen und Wechselkurse erstellt würden. Daher werden auch keine punktuellen Werte, sondern nur Spannen für die Indikatoren publiziert. EZB-Chef Wim Duisenberg hatte zuletzt bekräftigt, die Schätzungen seien nur ein Bestandteil von mehreren Indikatoren im Rahmen der geldpolitischen Strategie der EZB.

Einige Analysten kritisierten die Schätzungen als wenig aussagekräftig. "Ich halte die Projektionen für keine sinnvolle Einrichtung. Sie beruhen auf teilweise nicht realistischen Voraussetzungen, wie zum Beispiel der Annahme eines konstanten Euro-Wechselkurses", sagte Dirk Clench von der Hypothekenbank in Essen. Dies führe dazu, dass die Inflationserwartungen für die kommenden beiden Jahre deutlich über den Konsens-Schätzungen lägen. Außerdem gehe die EZB in ihren Projektionen für die kommenden Jahre von einem zu hohen Wachstum in den USA aus und überschätze damit auch die Wachstumsaussichten für die Euro-Zone.

Andere Volkswirte ziehen aus den Schätzungen den Schluss, die Währungshütern werden sobald nicht die Leitzinsen in der Euro-Zone senken. Da die EZB-Schätzung für das Wachstum mit 2,6 bis 3,6 % über der Konsens-Schätzung von 2,0 bis 2,5 % liegt, erwartet Aongus Buckley von GNI in London vorerst keine Zinsänderung. "Ich glaube, im Moment kann man davon ausgehen, dass die EZB nicht die Absicht hat, ihre Geldpolitik zu lockern. Doch abgesehen davon, sagen die Zahlen nichts wirklich Neues", fügte er hinzu.

Die Finanzmärkte reagierten entsprechend kaum auf die Veröffentlichung der Daten. Der Euro lag am Abend wenig verändert bei Werten um 0,9050/60 $ und damit weiterhin gut einen Cent über seinem Vortagsschluss in New York.

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