Prokop stand im Regen
WM: DLV räumt Pannen im Prämien-Wirrwarr ein

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) tritt gern als «Weltpolizist» in Sachen Doping auf, kann aber im eigenen Haus nicht für Ordnung sorgen.

dpa EDMONTON. Die Verwirrung um die WM-Prämien von Hochsprung-Weltmeister Martin Buß und des Überraschungs-Zweiten Ingo Schultz hat erhebliche Defizite im DLV-Management offenbart. «Ich habe keine Informationen von den Hauptamtlichen aus Darmstadt bekommen. Es ist eine Panne, zu der wir stehen», entschuldigte DLV-Präsident Clemens Prokop die Desinformationspolitik bei der Leichtathletik-WM in Edmonton.

Die Angaben des Verbandes, dass Buß de facto die Voraussetzung für das Abkassieren der Prämie von 60 000 Dollar (rund 134 000 DM/68 000 ?) mangels genügender Doping-Kontrollen fehle, erwies sich einen Tag nach seinem Triumph als falsch. Plötzlich verbreitete die DLV - Zentrale in Darmstadt, der Leverkusener sei vor der WM sechs Mal getestet worden. Prokop zeigte sich von diesen exakten Daten aus der Heimat überrascht. Er habe vor geraumer Zeit von seinen hauptamtlichen Mitarbeitern die Information erhalten, Überblicke von Doping-Tests der Athleten gebe es nicht. «Das war falsch», sagte der bloß gestellte DLV-Chef.

Während Buß sein Geld damit bald in die Tasche stecken kann, ist die 400-m-Entdeckung Ingo Schultz vom guten Willen des Weltverbandes IAAF abhängig. Der zahlt normalerweise das Preisgeld - im Falle des gebürtigen Hamburgers 30 000 Dollar - nur gegen den Nachweis von zwei Trainingskontrollen. Nach Auskunft von IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai werde jeder Antrag auf Prämien-Auszahlung jedoch einzeln geprüft. «Ich gehe davon aus, dass Ingo Schultz sein Geld bekommt. Innerhalb der nächsten zwei Wochen fällt die Entscheidung», erklärte Prokop. Weigert sich die IAAF, will er dem DLV-Präsidium vorschlagen, dass sein Verband in die Bresche springt.

Als weiteres Defizit hat Prokop die Tatsache erkannt, dass die WM- Athleten nicht ausreichend über die Kontroll-Anforderung der IAAF informiert wurden. «Dies ist ein Versäumnis des DLV, er hat eine gewisse Fürsorgepflicht», bekannte der Kelheimer Richter, der daraus die Lehre ziehen will: «Ich werde sicherstellen, dass künftig kontrolliert wird, ob alle Nationalmannschaftsmitglieder oft genug getestet wurden.»

Vor der WM sei die Nominierungsliste an die Anti-Doping-Kommission des Deutschen Sportbundes (DSB) mit der Bitte um die Gewährleistung der Kontroll-Dichte geschickt worden. «Wir haben aber nicht überprüft, ob die Tests auch bei den B-Kadern vorgenommen wurden», so Prokop. Während A-Kaderathleten in der Regel alle zwei Monate einmal kontrolliert werden, ist für Anschlusskader nur ein Test pro Jahr vorgesehen. «Das ist eine Schwäche des Kontrollsystems des DSB», stellte Prokop fest. Auf die 670 Kaderathleten entfallen insgesamt nur 1160 Tests.

Die vor vier Jahren geborene Idee eines Athleten-Passes, aus dem die Anzahl der Kontrollen ersichtlich werden sollte, ist laut Prokop zumindest in der Leichtathletik nicht umgesetzt worden. Dies ist umso erstaunlicher, als sein Amtsvorgänger Helmut Digel bei Nachfragen zu Doping-Tests immer auf dieses Papier verwiesen hat.

Nach der Panne mit den Prämien will der DLV nach der Rückkehr aus Edmonton die Fehler aufarbeiten. «Wir wollen den Fall Schultz nutzen, um die Lücken im Doping-Kontrollsystem zu schließen», erklärte Prokop, der vehement eine drastische Erhöhung der DSB-Tests fordert. «Die Anzahl der Kontrollen ist seit vier Jahren ungefähr gleich geblieben, während die Anzahl der sich beteiligenden Verbände gestiegen ist.» Erst seit dem 1. Januar 2001 würden auch die Fußball-Profis der Bundesliga durch den DSB kontrolliert. «Dadurch hat sich die Test- Dichte weiter verringert», resümiert Prokop.

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