Protest-Anträge zur Hauptversammlung
Dyckerhoff-Minderheitsaktionäre opponieren gegen Buzzi-Einstieg

Kleinaktionäre der Zement- und Betonhersteller Dyckerhoff AG, Wiesbaden, fühlen sich durch Vereinbarungen im Zusammenhang mit dem Einstieg des italienischen Unternehmens Buzzi benachteiligt.

HB/vwd WIESBADEN. Das Unternehmen wird sich auf eine turbulente Hauptversammlung am 8. Mai einstellen müssen. Mehrere Kleinaktionärsgruppen haben bereits in Gegen- und Ergänzungsanträgen ihren Unmut über den im vergangenen Jahr erfolgten Einstieg der italienischen Buzzi Unicem S.p.A., Casale Monferrato, Luft gemacht und fordern Sonderprüfungen und die Verweigerung der Entlastung für Vorstand und Aufsichtsrat der Gesellschaft.

Den Stein ins Rollen brachte am vergangenen Wochenende eine Aktionärsgruppe um den Würzburger Universitätsprofessor Ekkhard Wenger. Dieser will in mehreren Sonderprüfungen klären lassen, ob die Art und Weise des Einstiegs der Italiener rechtens war und ob dabei die Interessen aller Aktionäre gewahrt wurden. Die Italiener hatten seinerzeit lediglich den damaligen Pool-Aktionären - neben den 340 Familiengesellschaftern die R+V Versicherungen und die Dresdner Bank - ein Angebot vorgelegt. Die restlichen Anteilseigner und vor allem die Vorzugsaktionäre waren dabei nicht berücksichtigt worden.

2001 erwarb Buzzi 30,1 Prozent der Stammaktien der Gesellschaft und schloss mit der Gemeinschaft der Familienaktionäre der Dyckerhoff AG einen Schutzgemeinschaftsvertrag ab. Wie die Wiesbadener in ihrem Geschäftsbericht 2001 erläutern, sei Dyckerhoff dadurch ein von Buzzi Unicem abhängiges Unternehmen geworden, da die Stimmrechte der Familienaktionäre in Höhe von 34 Prozent nun Buzzi Unicem zuzurechnen seien.

Kleinaktionäre befürchten nun, dass die Italiener mittelfristig weitere Anteile an Dyckerhoff übernehmen könnten, ohne den Minderheitsaktionären ein Angebot vorzulegen, denn die Familiengesellschafter haben eine Verkaufsoption bis 2004. In der "Börsen-Zeitung" (Mittwochsausgabe) hat der Sprecher der Familiengesellschafter, Gert Dyckerhoff, nun versucht diese Bedenken zu zerstreuen. Die Familie wolle nicht 'raus, sagte Dyckerhoff der Zeitung. Bei der Suche nach Investoren habe man nicht alles verkaufen wollen und sei deshalb auf Buzzi als starken industriellen Partner gestoßen.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hat derweil bereits in Gegenanträgen zur Hauptversammlung die Verweigerung der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat gefordert. Der Vorstand hätte angesichts des Buzzi-Einstiegs eine Lösung entwickeln müssen, von der alle Aktionäre, besonders die Vorzugsaktionäre, profitiert hätten, heißt es zur Begründung.

Statt ein Übernahmeangebot für alle Aktien zustande zu bringen, hätten sich nur ausgesuchte Großaktionäre bereichern können, kritisiert die SdK. Die im Aufsichtsrat vertretenen Großaktionäre hatten laut Presseberichten angeblich weit über dem Börsenkurs liegende Paketpreise erzielt und somit ein Übernahmeangebot für alle Aktionäre verhindert. Die Spanne zwischen dem in Medien veröffentlichten Paketpreis von 75 Euro pro Aktie für das von Buzzi übernommene Paket und dem Ende März bezahlten Börsenkurs der Vorzugsaktie von knapp 18 Euro bezeichnet die SdK als sittenwidrig.

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