Protest aus Russland
Erster Test einer Trägerrakete für US-Raketenabwehr erfolgreich

dpa WASHINGTON/MOSKAU. Der erste Test einer Trägerrakete für die geplante amerikanische Raketenabwehr ist erfolgreich verlaufen. Der Prototyp der dreistufigen Rakete wurde am Freitag (Ortszeit) nach Militärangaben auf dem Stützpunkt Vandenberg im Bundesstaat Kalifornien gestartet und flog rund 4800 Kilometer weit, bevor er im Pazifischen Ozean niederging. Die russische Regierung betonte unterdessen, dass sie an ihrer Ablehnung an den Abwehrplänen festhält und den ABM-Vertrag über die Begrenzung von Abwehrsystemen nicht aufgeben will. Die USA kündigten an, sie wollten China über Testpläne für das Abwehrsystem unterrichten und dadurch Besorgnisse zerstreuen.

Die getestete Rakete wird einmal ein so genanntes Kill-Vehikel tragen, das anfliegende feindliche Raketen abfangen soll. Bei bisherigen Versuchen war eine modifizierte ältere Rakete verwendet worden. Zuletzt hatte eine Testwaffe Mitte Juli 225 Kilometer über dem Pazifik eine Sprengkopf-Attrappe vernichtet. Es war der erste Raketenabwehr-Test unter Präsident George W. Bush.

Die USA wollen im April 2002 mit dem Bau einer Testanlage in Alaska beginnen, die schon zwei oder drei Jahre später Raketenabwehr- Elemente beherbergen könnte. Weil das gegen den 1972 mit Moskau abgeschlossenen ABM-Vertrag verstoßen würde, erwägen die USA eine Kündigung des Vertrages. Sie hoffen sich, spätestens auf einem im November geplanten Gipfeltreffen von US-Präsident George W. Bush mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Crawford (Texas) mit den Russen zu einigen.

Der russische Außenminister Igor Iwanow betonte am Samstag erneut, dass Moskau an dem Abkommen festhalte. Nach Angaben der Agentur Interfax rief Iwanow die USA auf, «voreilige Schritte» zu vermeiden. Russland halte den Vertrag nicht für veraltet. «Nach dem Ende des Kalten Kriegs ist noch kein neuer Mechanismus zur Erhaltung der Sicherheit im Bereich der atomaren Raketen geschaffen worden, daher spielt das ABM-Abkommen weiterhin eine Hauptrolle im System der internationalen Beziehungen im Bereich der Sicherheit und der Abrüstung», sagte der russische Außenminister.

Russland und die USA führen seit rund zwei Monaten Gespräche über die weitere Verringerung der nuklearen Offensivwaffen und die Defensivsysteme. US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice teilte mit, dass Washington auch China für seine Pläne gewinnen wolle. Sie sagte der «Washington Post» vom Sonntag, Peking solle daher über die Testpläne für die Raketenabwehr informiert werden.

Ein US-Beamter signalisierte als Entgegenkommen eine flexible Haltung zu weiteren Nukleartests, die derzeit auf Grund eines weltweiten Moratoriums gestoppt sind. Obwohl die USA keine Pläne hätten, behielten sie sich das Recht auf Versuche vor, um die Sicherheit ihres Nukleararsenals zu gewährleisten. Daher könnten sie das gleiche Recht nicht anderen verweigern. China könnte mit Hilfe neuer Tests mobile Nuklearraketen mit Mehrfachsprengköpfen entwickeln.

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