Protest gegen die Besatzer: Hunderttausende Schiiten feiern in Kerbela

Protest gegen die Besatzer
Hunderttausende Schiiten feiern in Kerbela

Hunderttausende Schiiten haben am Mittwoch im südirakischen Kerbela den letzten Tag ihrer Pilgerschaft gefeiert, die unter der gestürzten Regierung des Präsidenten Saddam Hussein verboten war.

Reuters KERBELA/NEW YORK. Die hohe Zahl der versammelten Gläubigen demonstrierte die Stärke der schiitischen Bevölkerungsmehrheit. Bei den Beratungen im Uno-Sicherheitsrat sprach sich Frankreich als einer der wichtigsten Gegner des Irak-Krieges dafür aus, das Uno-Embargo gegen den Golfstaat aufzuheben. Damit kam es den USA entgegen, die ein Ende der Sanktionen gefordert haben. Zugleich forderte Frankreich, das "Öl-für-Lebensmittel"-Programm der Uno fortzusetzen.

Die schiitischen Pilger in Kerbela gedachten des Imams Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed, der dort im Jahr 680 getötet worden war. Sie schlugen sich auf die Brust, ritzten mit Schwertern Wunden in ihre Kopfhaut und geißelten sich mit Ketten, bis sie bluteten. Rund 60 % der irakischen Bevölkerung sind Schiiten. Sie wurden unter der von Sunniten dominierten Regierung Saddams unterdrückt und in ihrer Ausübung des Islam eingeschränkt. Die Feierlichkeiten zum Tod von Imam Hussein hatte 1977 zum letzten Mal in dieser Form stattgefunden. Damals waren zahlreiche Pilger auf ihrem Weg nach Kerbela von Sicherheitskräften getötet worden. Zu den Feierlichkeiten in dieser Woche erwarteten schiitische Geistliche mindestens eine Million Gläubige in Kerbela.

Manche der Pilger forderten den Rückzug der US-geführten Streitkräfte aus dem Land. "Ja zum Islam, nein zu den USA, nein zu Kolonialismus, nein zur Besatzung", riefen sie. US-Hubschrauber kreisten über der Stadt. Am Boden hielten die Soldaten jedoch Abstand, um Konfrontationen zu vermeiden.

Die Zeitung "Washington Post" berichtete unter Berufung auf US-Regierungskreise, die USA hätten die Stärke und den Organisationsgrad der Schiiten unterschätzt und seien schlecht darauf vorbereitet, schiitischen Forderungen nach einem islamischen Staat zu begegnen. Ein solcher besteht im Nachbarland Iran. US-Präsident George W. Bush zeigte sich jedoch nicht beunruhigt über den Führungsanspruch der Schiiten. Er habe sich über die Feierlichkeiten gefreut, sagte er in einem Interview mit der Zeitschrift "Newsweek".

Den US-Plänen zum Wiederaufbau des Iraks kam Frankreich auf halbem Weg entgegen. Außenminister Dominique de Villepin sagte am Dienstag in Ankara, die Sanktionen gegen den Irak sollten so rasch wie möglich ausgesetzt werden. Frankreichs Uno-Botschafter, Jean-Marc de la Sabliere, hatte zuvor bei den Beratungen im Sicherheitsrat in New York erklärt, die Sanktionen sollten umgehend ausgesetzt werden. Ein endgültige Aufhebung solle von einem Bericht der Uno-Waffeninspektoren abhängig gemacht werden. Sabliere sagte zudem, die Kontrolle über das Uno-Programm Öl für Lebensmittel, in das die Einnahmen Iraks aus dem Ölexport fließen, müsse vorläufig unter der Kontrolle der Vereinten Nationen (Uno) bleiben. Es solle aber den aktuellen Bedürfnissen der Iraker angepasst werden.

Russland kündigte an, den französischen Vorschlag zu überdenken. Bislang hatte die Regierung in Moskau eine Rückkehr der Uno-Waffeninspektoren in den Irak als Voraussetzung für ein Ende der Sanktionen genannt. Die USA haben dies abgelehnt. Wie eine Aufhebung der Sanktionen umgesetzt werden könnte, blieb jedoch auch nach dem französischen Vorschlag unklar. Die USA hatten ein vollständiges Ende der Sanktionen gefordert, damit Einnahmen aus den Ölexporten in den Wiederaufbau des Landes fließen können.

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