Protest gegen die politischen Verhältnisse in ihrem Land
Entführung von saudischem Flugzeug im Irak unblutig beendet

dpa BAGDAD/DUBAI. Die Entführung eines saudi-arabischen Flugzeugs mit 105 Menschen an Bord ist in der Nacht zum Sonntag in der irakischen Hauptstadt Bagdad schnell und unblutig zu Ende gegangen. Nach etwas mehr als einstündiger Verhandlung ließen die beiden Entführer alle Passagiere frei. Sie hatten das Flugzeug auf dem Weg von der saudischen Hafenstadt Dschidda nach London in ihre Gewalt gebracht und mit der Sprengung gedroht.

Die beiden saudi-arabischen Luftpiraten nannten als Motiv den Protest gegen die politischen Verhältnisse in ihrem Land sowie die Solidarität mit den Palästinensern und Irakern. Sie werden zur weiteren Befragung nach dem Hintergrund ihrer Tat in Bagdad festgehalten. Die Passagiere sollten im Laufe des Sonntags nach Dschidda zurückkehren.

Entführer gegen US-Militärbasen in ihrer Heimat

Auf einer Pressekonferenz hatten die beiden jungen Männer gesagt, sie seien strikt gegen US-Militärbasen in ihrem Land. Außerdem kritisierten sie "die große Ungerechtigkeit" in ihrer Heimat. "Die Zeit der Monarchien ist lange vorbei", betonten sie. Das Volk müsse sich selbst regieren. Außerdem hätten die israelischen Angriffe auf Palästinenser in den vergangenen zwei Wochen ihre "arabischen und islamischen Gefühle" verstärkt. Die Luftpiraten beteuerten, sie seien "einfache saudi-arabische Staatsbürger" und gehörten keiner politischen Organisation an.

Die Boeing 777-200 der Fluggesellschaft Saudi Arabian Airlines war am Samstagnachmittag im ägyptischen Luftraum, als der Pilot den Flugsicherheitsbehörden die Entführung mitteilte. Später sagte der Pilot den zyprischen Behörden, dass die Entführer Sprengstoff vom Typ TNT an Bord hätten und mit der Sprengung der Maschine gedroht hätten, falls diese nicht nach Bagdad fliege.

Nach erster Weigerung erteilte Syrien später eine Überfluggenehmigung. Nach anderen Berichten soll die Maschine in Damaskus einen kurzen Zwischenstopp eingelegt haben. Saudi-Arabien und Syrien sollen die Kidnapper vor einem Flug in den Irak gewarnt haben, weil dafür wegen des UN-Embargos eine Genehmigung des UN - Sicherheitsrates notwendig ist.

Passagiere haben nichts von Entführung mitbekommen

Vor der Landung in Bagdad hatten die Passagiere offenbar nichts von der Entführung mitbekommen. "Auf den Monitoren im Flugzeug sahen wir eine Route, die nicht logisch war. Aber wir wussten nicht, dass das Flugzeug entführt worden war, bis es in Bagdad landete", sagte der Spanier Juan Trancho Ibarguchi.

Sofort nach ihrer Landung um 18.50 Uhr MESZ umstellten irakische Polizeikräfte die Boeing auf dem abgeriegelten Saddam International Airport. Verkehrsminister Ahmed Murtada brachte die Fluggäste nach ihrer Freilassung in das Bagdader Luxushotel "Rashid". In der Maschine befanden sich außer 40 Briten auch jeweils 15 Saudis und Pakistaner. An Bord waren auch ein Franzose, ein Spanier, ein Schweizer, ein Schwede und ein US-Bürger.

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