Protest gegen Organisationsmängel
Lokführer wegen Pause im Tunnel verurteilt

Ein Lokführer, der mit einem gut besetzten ICE in einem Tunnel eine Stunde lang seine Mittagspause nachholte, ist zu acht Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der Zwangsaufenthalt im Dunkeln am 25. März 2001 hatte bei vielen Reisenden zu Angstzuständen geführt. Das Amtsgericht Frankfurt wertete am Dienstag das Verhalten des inzwischen entlassenen Lokführers als Freiheitsberaubung der Reisenden und Störung des Bahnbetriebs. Als Bewährungsauflage setzte das Gericht eine Zahlung von 2000 Euro fest.

Der 25-Jährige fuhr den ICE von Köln nach Frankfurt. Nach der Abfahrt vom Bahnhof Frankfurt-Flughafen hielt er den Zug an und ließ ihn im Tunnel, nur fünf Minuten vom Zielbahnhof entfernt, eine Stunde lang stehen. Hunderte Reisende blieben im Unklaren, warum der Zug hielt. Züge mussten umgeleitet werden oder waren erheblich verspätet. Später gab der Fahrer an, ihm habe zu diesem Zeitpunkt eine Arbeitspause zugestanden. Vor Gericht war er voll geständig.

Seine Verteidigung betonte, der Mann habe mit der Pause gegen Organisationsmängel bei der Bahn demonstrieren wollen. Darunter hätten die Lokführer besonders zu leiden. Der 25-Jährige habe an dem Tag bereits einen ICE mit erheblichen technischen Mängeln nach Köln führen müssen. Zur Fahrt von Köln nach Frankfurt sei ihm dann mit Verspätung ein ebenfalls mangelhafter Zug übergeben worden. Aus Empörung darüber habe er sich zu einem Verhalten entschlossen, das objektiv falsch gewesen sei.

Der 25-Jährige entschuldigte sich dafür bei den damaligen Reisenden. Der Staatsanwalt kritisierte, dass der Lokführer den Konflikt an die ihm anvertrauten Passagiere weitergegeben habe.

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