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Protest im Netz

Statt auf der Straße versammelten sich Globalisierungsgegner während der New Yorker Tagung online zum Protest. Ihre Netz-Attacken legten allem Anschein nach die Seiten des Weltwirtschaftsforums lahm.

Wo waren sie denn, die Protestler von Davos oder Genua, Seattle oder Göteborg. Hat der Protesttourismus schon ausgedient? Nur ein paar tausend Globalisierungsgegner demonstrierten während des Weltwirtschaftsforums in New York unter freiem Himmel, und das vorwiegend mit Blumen und Spruchbändern. Von Gewalt keine Spur, auf die Helden des 11. September wirft man schließlich keine Steine. Aber: Die eine oder andere Attacke im Internet, die sei doch wohl nötig, hatten Web-Freaks beispielsweise des Electronic Disturbance Theaters (EDT) beschlossen. Ist ja auch bequemer, keine Reise ist nötig und das Risiko von Festnahme oder Reaktionen per Schlagstock wird auch umgangen.

Allem Anschein nach hatte die Demonstration von Bequemlichkeit außerdem Erfolg. Der Protest, ein virtueller Sit-In genannt, legte die offiziellen Seiten unter www.weform.org und www.worldeconomicforum.org während des New Yorker Treffens immer wieder für Stunden lahm. Während in den Straßen rund um das gut abgeriegelte Waldorf-Astoria relative Ruhe herrschte, luden sich Surfer ein virtuelles Protestprogramm herunter. Nach Angaben der Initiatoren vom EDT waren es rund 50 000. Technisch funktionierte es so, dass die Seiten durch das kleine Programm von jedem einzelnen Protestler-Rechner aus immer und immer wieder aufgerufen wurden - ein beliebtes Mittel, das nicht zum ersten Mal zum Einsatz kam, um auf einfache Art Aufsehen zu erregen. Die dadurch entstehende Überlastung legt die zentralen Rechner lahm, auf denen die Seiten hinterlegt sind (Denial of Service). Auch die Nato oder das Online-Portal Yahoo wurden schon Opfer solcher Attacken.

Forumssprecher Charles McClain bestätigte die Überlastung und den mehrfachen Zusammenbruch der Seiten: Es habe "so viele Zugriffe wie noch nie gegeben". Doch so peinlich die Blockade des Internet-Angebots auch gewesen sein mag: Auch im Netz scheint der 11. September die Protestfraktion ein wenig ruhiger gestimmt zu haben. Denn an den Gau vom vergangenen Jahr kommt die jetzige Blockade beileibe nicht heran. Damals hatten sich eine Gruppe hackender Versammlungsgegner unter dem Namen Virtual Monkeywrench online Zugriff auf die Daten der rund 4000 Teilnehmer verschafft, darunter die E-Mail-Adressen, Kreditkarten- und Telefonnummern von Besuchern wie Yassir Arafat und Bill Gates.

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