Protest von Greenpeace
Japan schickt Walfangflotte Richtung Antarktis

ap SHIMONOSEKI/JAPAN. Ungeachtet der Proteste aus dem Ausland und Sanktionsdrohungen der USA hat Japan am Freitag eine neue Walfangflotte Richtung Antarktis geschickt. In den kommenden fünf Monaten sollen 400 Minkwale zu Forschungszwecken erlegt werden, wie es von japanischer Seite heißt. Kritiker sagen dagegen, Tokio verfolge die Jagd wegen des Walfleisches, das in Japan als Delikatesse gilt. Wegen der Ausweitung des Jagdprogramms im Nordpazifik auf Bryde- und Pottwale denkt US-Präsident Bill Clinton über die Verhängung von Sanktionen gegen Japan nach. Beide Walarten stehen in den USA unter Schutz.

Clinton sagte dem japanischen Ministerpräsidenten Yoshiro Mori am Donnerstag am Rande des APEC-Gipfels in Brunei, dass dadurch die amerikanisch-japanischen Beziehungen gefährdet werden könnten. Im Dezember wird Clinton wahrscheinlich entscheiden, ob er dem Kongress empfiehlt, Sanktionen gegen Japan zu verhängen. Denkbar wäre ein Fischverbot für amerikanische Gewässer. Der kommerzielle Walfang ist seit 1986 verboten. Japan rechtfertigt seinen Walfang als wissenschaftliche Forschung, die von der Internationalen Walfangkommission (IWC) genehmigt worden sei. Ende Juli hatte Tokio das umstrittene Programm ausgeweitet, was von der IWC in einer Resolution abgelehnt wurde.

Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verurteilte das Auslaufen der Fangflotte vom Freitag als Bruch internationaler Abkommen. "Japan ignoriert kaltschnäuzig internationale Kritik und setzt unbeirrbar das Töten geschützter Wale fort", sagte Jörg Feddern von Greenpeace. Japan stecke Millionenbeträge in die Förderung des Walfangs und tarne das Töten der Meeressäuger als Wissenschaft, hieß es in einer Erklärung der Organisation. Aus Protest hat Greenpeace eine Großbild-Tour durch 20 deutsche Städte gestartet. Die am Freitag ausgelaufene Flotte besteht laut Greenpeace aus dem Schiff "Nisshin Maru", drei Harpunenbooten und einem Suchschiff.

Die IWC hatte 1986 aus Furcht vor einer Ausrottung der Meeressäuger ein globales Fangverbot erlassen. Ein Jahr später wurde Japan der Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken aber erlaubt. Seitdem töteten japanische Walfänger jährlich schätzungsweise 400 Wale - insbesondere Zwergwale. Die meisten davon werden als Lebensmittel verkauft. Im Juli weiteten die Japaner die Jagd im Nordpazifik auf Pott- und Brydewale aus. Zur Begründung hieß es, Wissenschaftler würden anhand der erlegten Tiere Daten über die Lebensräume und Zugrouten der Wale sammeln.



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