Proteste blieben Ausnahme
Rheinsberger Atommüll-Transport erreicht Zwischenlager

Planmäßig und auf kürzestem Weg hat der Atommülltransport vom stillgelegten Atomkraftwerk im brandenburgischen Rheinsberg am Mittwoch das Zwischenlager in Lubmin an der Ostseeküste erreicht.

ddp RHEINSBERG/LUBMIN. Proteste während des Transports blieben die Ausnahme und verliefen durchweg friedlich. Lediglich im ersten Abschnitt der rund 300 Kilometer langen Strecke versuchten rund 25 Castor-Gegner, die Gleise zu blockieren. Die Polizei räumte die Strecke problemlos, der Zug passierte ohne Verzögerung und fuhr mit bis zu 80 Stundenkilometern seinem Ziel entgegen. Polizei und Demonstranten lobten einhellig die Besonnenheit auf beiden Seiten.

Die Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, Gottfried Timm (SPD) und Jörg Schönbohm (CDU), verteidigten den Millionen-Aufwand. Es habe im Vorfeld Hinweise auf militante Aktionen von Atomkraftgegnern gegeben. Nach Timms Angaben waren insgesamt 12 000 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz im Einsatz. Laut erster Berechnungen belaufen sich die Kosten für den Atommülltransport auf rund 15 Millionen Mark. Davon entfallen knapp zwölf Millionen auf Brandenburg, rund drei auf den nördlichen Nachbarn. Laut Polizei wurden 35 Personen vorläufig in Gewahrsam genommen. Es gab eine Festnahme, 77 Platzverweise und 69 Identitätsfeststellungen.

Der Brandenburger Grünen-Chef Roland Vogt kritisierte nach den friedlichen Protesten, die angeblich gewaltbereiten Chaoten hätten nur in der Vorstellungswelt von Schönbohm existiert. Der Sprecher des Kirchlichen Umweltkreises Menz, Reinhard Dalchow, wertete die Strategie Schönbohms als "verbal und taktisch völlig überzogen und unverantwortlich". Das Anti-Atom-Regionalplenum Ost wertete die Proteste als Erfolg. Es bezifferte die Zahl der Demonstranten in Brandenburg auf 250.

Sitzblockade von Polizei aufgelöst

Bei der größten Stör-Aktion hatten am frühen Morgen 25 Castor-Gegner die Bahnstrecke zwischen Herzberg und Grieben blockiert. Die Polizei löste die Sitzblockade auf, die Räumung verlief weitgehend friedlich. Ein Demonstrant wurde festgenommen. In Rheinsberg nahm die Polizei zwei 18 und 21 Jahre alte Männer fest, die mit Nägeln beschlagene Latten bei sich trugen. Etwa fünf Kilometer vor Neubrandenburg hatten 15 Teilnehmer einer PDS-Demonstration kurzzeitig die Straße blockiert. Im Zentrum der Hansestadt Greifswald protestierten etwa 15 Menschen mit einer Mahnwache gegen den Castor-Transport. Rund 15 Kilometer vor Lubmin vereitelte die Polizei einen Blockadeversuch und nahm 20 Demonstranten der Greifswalder Bürgerinitiative "Kernenergie" in Gewahrsam. Auf der Strecke bei Friedrichshagen nahe Lubmin hatten Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch zwei Baumstämme auf die Gleise gelegt.

Der Castor-Transport war der erste und der letzte aus Deutschlands ältestem Atommeiler in Rheinsberg. Das AKW soll bis 2009 vollständig abgebaut sein.

Chronologie der deutschen Atommülltransporte seit 1995



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