Proteste bremsen UMTS-Aufbau
Bürgerinitiativen verzögern Aufbau der neuen Mobilfunknetze

Die Mobilfunknetzbetreiber starten eine Werbekampagne. Sie wollen die Ängste der Menschen vor Mobilfunkstrahlen abbauen. Gleichzeitig setzen die Unternehmen auf Kooperation mit ihren Kritikern: Immer häufiger suchen sie gemeinsam mit den Bürgern nach Standorten für Antennen.

dri/slo BERLIN/DÜSSELDORF. Mit einer Werbekampagne reagieren die deutschen Mobilfunknetzbetreiber auf den zunehmenden Protest der Bürger gegen den Aufbau von Sendemasten. Die Aktion des Lobbyvereins Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) ist Mittwoch gestartet. Die Unternehmen haben dafür rund fünf Millionen DM zur Verfügung gestellt.

"Depressiv durch Handy" lautet die Schlagzeile auf Plakaten, die eine Gruppe gut gelaunter Menschen zeigt. "Schlaflos durch Handy" heißt es auf einem anderen Plakat mit einer schlafenden Frau. Mit solchen Sprüchen und Motiven thematisieren die Unternehmen ironisch die Sorgen der Menschen, durch die elektromagnetischen Strahlen der mittlerweile etwa 55 Millionen Handys und 50 000 Mobilfunk-Sendemasten gesundheitlichen Risiken ausgesetzt zu sein. "Wir wollen die Debatte über Elektrosmog nicht abwürgen, sondern auffangen", sagt IZMF-Leiter Immo von Fallois.

Proteste vor allem in Süddeutschland

Es gibt inzwischen mehr als 500 Bürgerinitiativen, die sich gegen den Aufbau neuer Mobilfunkantennen wehren - vor allem in Süddeutschland. Die Proteste und Klagen gegen einzelne Standorte verzögern den Aufbau der neuen UMTS- Netze. Die sechs Mobilfunkgesellschaften in Deutschland, T-Mobil, D2 Vodafone, E-Plus, Viag Interkom, Mobilcom und Quam (ehemals Group 3G) befürchten zudem, dass der zunehmende Widerstand der Menschen Mehrkosten für die Unternehmen von jeweils bis zu einer Mrd. DM verursachen könnte.

Bis 2005 wollen die Netzbetreiber an neuen Standorten etwa 40 000 weitere Sendemasten aufstellen. In vielen Orten versuchen sie daher einen Kompromiss mit den Bürgern zu finden: Im Juli hatten sich Unternehmen und Verbände wie der Deutsche Städtetag und der Städte- und Gemeindebund darauf verständigt, dass die Kommunen bei der Auswahl der Antennenstandorte mitreden dürfen. "Die Zusammenarbeit funktioniert tatsächlich gut und zwar überall dort, wo sich Bürgerinitiativen gebildet haben", sagt Manfred Fritsch, Vorsitzender des Bundesverbandes gegen Elektrosmog. "Unternehmen und Bürger suchen dort gemeinsam nach Alternativstandorten, die für beide Seiten akzeptabel sind."

Unternehmenskooperationen reduzieren Antennen und Kosten

Auch mit ihren Kooperationen beim Aufbau der UMTS-Netze kommen die Mobilfunker vielen Anwohnern entgegen. Die Zusammenarbeit der Unternehmen, die die neue Infrastruktur teilweise gemeinsam nutzen wollen, senkt nicht nur ihre Kosten, sondern reduziert auch die Zahl der Antennen.

Die Mobilfunkgegner fordern vor allem zwei Dinge: Die Sendeanlagen sollen nicht in der Nähe von Wohngebieten, Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten aufgestellt werden. Zudem soll die Leistung von Funkmasten schärfer begrenzt werden. "Die Sendeleistung muss nicht in jeden Keller und die letzte Ecke reichen", sagt Fritsch.

Beweise für Gesundheitsbeschwerden fehlen

Mobilfunknetzbetreiber lehnen das ab: Sie halten die geltenden Grenzwerte für die Strahlung, die Deutschland von der Weltgesundheitsorganisation übernommen hat, für ausreichend. Bei niedrigeren Grenzwerten, wie sie im Bundesumweltministerium überlegt und vom Bundeswirtschaftsministerium abgelehnt werden, wären nur noch mehr Antennenstandorte nötig. Und das würde den UMTS-Netzaufbau unnötig verteuern, warnen die Unternehmen. Denn bei geringerer Leistung eines Funkturms müsste die Gesamtzahl der Sendemasten steigen - und damit auch die Zahl der protestierenden Anwohner. Zudem ist es ohnehin zweifelhaft, ob eine Verschärfung die Ängste zerstreuen könnte. In der Schweiz beispielsweise ist trotz niedrigerer Werte der Widerstand gegen den Mobilfunk ungebrochen.

Beweise für Gesundheitsbeschwerden durch den Mobilfunk fehlen bis heute, auch wenn viele Menschen, die in der Nähe von Mobilfunkantennen leben, über Ohrensausen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit klagen. Tausende Studien haben den Zusammenhang zwischen Krebs und der Nutzung von Handys bisher nicht belegen, aber auch nicht ausschließen können.

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