Proteste der Medien
Arabische Medien fordern Ende der Militärschläge

In der arabischen Welt wächst das Unbehagen über das Leiden der Unschuldigen in Afghanistan und das Schweigen der politischen Führer der Region. Während amerikanische und britische Luftangriffe auf afghanische Ziele zur täglichen Routine werden, geraten die Regierungen im Mittleren und Nahen Osten zunehmend unter innenpolitischen Druck.

bce NICOSIA. Die islamische Welt fordert vehement, das afghanische Volk mit Beginn des Fastenmonats Ramadan Mitte November zu verschonen. Eine Fortsetzung der Attacken während dieses heiligen Monats werde noch schärfere Proteste in der islamischen Welt provozieren, warnen islamische Geistliche.

Unterdessen erheben sich in arabischen Medien erste Stimmen der Empörung über das Schweigen der politischen Führer der Region zu der wachsenden Zahl von zivilen Opfern in Afghanistan. "Wie lange", fragt die Beiruter Tageszeitung "Daily Star", "werden arabische Regierungen noch stumm bleiben?" Ihr "betäubendes Schweigen stehe in krassem Gegensatz zum Unmut in der Bevölkerung".

Nur die "Islamische Konferenz-Organisation" (OIC) zwang sich den Hinweis auf ihre stete Opposition "gegen die Tötung von Zivilisten" ab. Um wachsender Kritik am Schweigen der OIC zu begegnen, schlug Generalsekretär Abdelouahed Belkeziz nun die Schaffung eines "großen Fonds" vor, aus dem notleidenden Afghanen Hilfe geleistet werden soll.

Iran zählt zu den wenigen Ländern des Mittleren Ostens, deren Führung offen den Krieg kritisiert. Die Angriffe würden mehr Unschuldige als Schuldige treffen, klagt Außenminister Kamal Kharrasi und eine Fortsetzung berge die Gefahr, die Terroristen in der Region zu Helden zu machen. Die ägyptische Tageszeitung "Al Akhbar" erinnert daran, dass viele islamische Länder einen Sturz der Taliban in Afghanistan ersehnt hätten. Doch "die US-Militärschläge haben über Nacht ein islamisches Regime in Not gebracht - eine Situation, die die bedingungslose Unterstützung der islamischen Welt erfordert." Die bis vor kurzem noch verhassten Taliban würden nun als eine Regierung aufgewertet, die gezwungen sei, den Islam zu verteidigen. In Kairo nennt der ägyptische Literatur-Nobelpreisträger Naguib Mahfuss die amerikanischen Luftangriffe auf Afghanistan "ein verabscheuungswürdiges Verbrechen" und drängt die USA "die wahren Gründe des Terrorismus" zu erforschen. "Die Bombardierung von unschuldigen Zivilisten gibt dem Terrorismus eine zusätzliche Berechtigung."

Die angesehene Kairoer Tageszeitung "al-Ahram" etwa gesteht den Amerikanern das Recht zu, "jene, die die ungeheuerlichen Terrorakte in New York und Washington" verübt hätten, "zu bestrafen", mahnt jedoch Washington, nicht Rache zu üben. Die Supermacht, die sich rühme, "die Menschheit zu Freiheit, Wohlstand, Fortschritt und Achtung der Menschenrechte" zu führen, müsse - "selbst unter extremer Provokation" - durch ihr Verhalten ein positives Beispiel zu setzen. "Sonst wird die Welt zu einem Dschungel, in dem nur der Starke überlebt".

Zahlreiche arabische Kommentatoren protestieren heftig gegen die amerikanische Medienkampagne, die den beiden USA-Freunden Saudi-Arabien und Ägypten einen beträchtlichen Teil der Schuld an dem Terrorproblem zuschieben. Dies zeige, meint der ägyptische Kommentator Salaheddin Hafez, "dass die politische Elite in den USA keine ehrliche Freundschaft mit uns (Arabern) wünscht, nicht einmal eine respektable Allianz, die in ausgewogener Weise die Interessen beider Partner berücksichtigt. In Wahrheit, so einige Kommentatoren, werde nun "ein Krieg der Reichen und Mächtigen gegen die Armen und Entrechteten" ausgetragen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%