Proteste der Offline-Apotheker
Internet-Apotheken wollen durchstarten

Noch sind Internet-Apotheken in Deutschland verboten. Aber möglicherweise nicht mehr lange. Den lautstarken Protestrufen der Apotheker zum Trotz hat sich das Bundesgesundheitsministerin vergangene Woche dafür ausgesprochen, den Versandhandel mit Medikamenten freizugeben.

dpa DÜSSELDORF. Damit würde der Weg für die Online-Apotheke geebnet. Die Anbieter sitzen schon in den Startlöchern. Ausländische Internet-Apotheken und Pharmagroßhändler könnten die ersten sein, die Patienten Medikamente mit Preisabschlägen nach Hause liefern.

"Der deutsche Markt ist sehr interessant für uns", sagt der Geschäftsführer der Internet MediService AG-Apotheke (Zuchwil/Schweiz) Alexander Vos. Das Unternehmen warte nur auf grünes Licht der Gesetzgeber. In den vergangenen vier Jahren habe MediService beim Verkauf von Medikamenten an 30 000 Patienten in der Schweiz viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Der britische Marktführer Pharmacy2U (Leeds) will ein Engagement auf dem Kontinent nicht ausschließen, auch wenn derzeit der Focus auf Großbritannien liege. Und die niederländische Firma DocMorris (Landgraaf) liefert bereits heute nach Deutschland und sehnt sich vollständige Legalisierung ihrer Geschäfte herbei.

Großhändler in den Startlöchern

Pharmagroßhändler könnten nach Meinung von Branchenexperten ebenfalls schnell auf den Markt drängen. Deutschlands Nummer Eins, die Stuttgarter Gehe AG plant zwar nach eigenen Angaben eben so wenig den Aufbau einer Internet-Apotheke wie die Mannheimer Phoenix AG. Allerdings betreibt Gehe schon heute ein Apotheken-Portal, auf dem Kunden Arzneimittel online bestellen können. "Patienten müssen die Präparate dann aber in einer Apotheke ihrer Wahl abholen. Oder der Apotheker stellt sie zu", erklärt Vorstandsmitglied Stefan Meister.

Sogar die Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) - ein Bollwerk gegen die elektronischen Handel mit Tabletten und Salben - hat ein ähnliches Angebot im Internet. Nach einer Gesetzesänderung scheint es ein Leichtes, den Zustellservice aus den Händen der Apotheker in die eines Logistik-Unternehmens zu legen. Branchenkenner vermuten, dass bereits viele größere Apotheken in Deutschland an einem Online-Auftritt nach Verbandsvorbild basteln.

Wie die Sicherheit des elektronischen Arzneimittelhandels funktionieren könnte, machen Anbieter in den USA, der Schweiz und den Niederlanden vor: Medikamente gibt es trotz Online-Bestellung nur gegen Original-Rezept, das per Post eingeschickt werden muss. Ausgehändigt wird das Medikament nur an den berechtigten Patienten. Rund 40 000 Deutsche haben das bereits ausprobiert und bei DocMorris eingekauft.

Doc Morris arbeitet mit Tricks

Die niederländische Internet-Apotheke umgeht das deutsche Versandhandelsverbot und Festpreisgesetz bislang mit einem Trick: "Nach europäischem Recht darf jeder Verbraucher Medikamente in Holland kaufen und dann importieren. Die Zustellung organisiert nicht DocMorris, sondern der Kunde selbst. Er bestellt per Mausklick einen Kurier - allerdings auf Kosten von DocMorris", erklärt Jens Apermann, Marketing-Direktor bei DocMorris. Nach Ansicht der ABDA sind diese Geschäftspraktiken illegal. Seit August wird vor dem Europäischen Gerichtshof verhandelt.

In der Zwischenzeit verdient DocMorris nach eigenen Angaben gutes Geld. "Pro Woche 1000 Neukunden", sagt Apermann. Im ersten Jahr nach dem Start will das Risikokapital-finanzierte Unternehmen mit den im Schnitt 15 % billigeren Medikamenten bereits 5 Mill. Euro (9,8 Mio DM) erwirtschaften.

Weil Apotheken nicht werben dürfen, könnten die Informationskanäle der Krankenkassen eine entscheidende Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg von Internet-Apotheken spielen. Die Kassen aber haben ein handfestes Eigeninteresse an der Freigabe des Internet-Handels, sie unterstützen DocMorris bereits teilweise aktiv. Die verbandspolitische Sprecherin des Ersatzkassen-Verbandes Doris Pfeiffer erklärt warum: "Wir haben ein Einsparungspotenzial in Höhe von 1,5 Mrd. DM errechnet."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%