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Proteste gegen Atommüll-Transporte nach Frankreich

Unter Protesten von Atomkraftgegnern ist am Dienstag erstmals seit knapp drei Jahren wieder ein deutscher Atommüll-Transport zur französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague gestartet.

Reuters SENNFELD. Ein Behälter mit radioaktiven abgebrannten Brennelementen rollte am Morgen auf einem Tieflader aus dem Atomkraftwerk im fränkischen Grafenrheinfeld. Polizei und Bundesgrenzschutz bewachten den Transport. An der Bahnstrecke in Sennfeld wurden 13 Atomkraftgegner der Umweltschutzorganisation Greenpeace festgenommen, die eine Brücke blockiert hatten. Der Transport sollte am Nachmittag kurz vor der französischen Grenze mit Atommüll- Behältern aus den Atomkraftwerken Biblis und Philippsburg zusammengekoppelt werden.

Der mit einer blauen Plane abgedeckte Behälter aus Grafenrheinfeld wurde am Vormittag am Bahnhof von Gochsheim bei Schweinfurt vom Tieflader auf einen Zug umgeladen. Am Bahnhof protestierten etwa 50 Atomkraftgegner. An der Haupteinfahrt stellten sich trotz des Nieselregens einige Demonstranten dem Transport in den Weg, wurden aber von der Polizei zur Seite gedrängt. Andere Demonstranten hielten Transparente mit Parolen wie "Stoppt Castor" und "Umschalten jetzt" hoch. Der Tieflader gelangte jedoch ungehindert auf das Bahnhofsgelände, wo der Behälter auf radioaktive Strahlung untersucht wurde. Ein Polizeisprecher sagte, die Demonstranten hätten sich sehr besonnen verhalten.

Greenpeace hat eine Brücke blockiert

Atomkraftgegner der Umweltschutzorganisation Greenpeace blockierten kurz hinter Gochsheim bei Sennfeld eine Brücke an der Bahnstrecke. Vier Greenpeace-Anhänger seilten sich von der Fußgängerbrücke ab und hängten ein Plakat mit der Aufschrift "Stopp Castor" über die Gleise. Weitere Greenpeace-Anhänger ketteten sich nach Angaben der Polizei an den Gleisen fest. Die Polizei räumte die Brücke und nahm 13 Greenpeace-Anhänger fest.

Von Gochsheim aus sollte der Transport mit einem Zug nach Wörth in Rheinland-Pfalz rollen, um dort für die Weiterfahrt nach La Hague mit drei Atommüllbehältern aus dem baden-württembergischen Philippsburg und einem aus dem hessischen Biblis zusammengekoppelt zu werden. In Philippsburg und Biblis hätte der Betrieb ohne einen Abtransport von Atommüll nur noch wenige Wochen beziehungsweise Monate weiterlaufen können, da die Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente voll sind. Die Transporte nach La Hague waren erst möglich geworden, nachdem Deutschland von dort vor einigen Wochen erstmals seit vier Jahren wieder deutschen Atommüll zurückgeholt und ins Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben gebracht hatte.

In Philippsburg versammelten sich bereits in der Nacht mehrere hundert Atomkraftgegner, um gegen den Transport zu demonstrieren. Sie wollten ihre Proteste auf Philippsburg und Wörth konzentrieren und kündigten auch Sitzblockaden an. Mehrere tausend Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz sicherten die Strecke vom Atomkraftwerk auf einer Altrheininsel bis ins nahe gelegene Wörth ab. Die Polizei in Philippsburg teilte mit, bislang seien 16 Atomkraftgegner in Gewahrsam genommen worden. Sie hätten sich in einer Zone rund um das Kraftwerk aufgehalten, für die ein Demonstrationsverbot verhängt worden war. Am Morgen seien zwei Greenpeace-Fahrzeuge in der Nähe des Kraftwerks gestoppt und die sieben Insassen festgenommen worden.

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