Archiv
Proteste gegen geplante deutsche Atomtransporte

dpa KEHL/STRAßBURG. Am Grenzübergang Kehl-Straßburg haben am Dienstag Mitglieder von Greenpeace gegen die geplanten Atomtransporte zwischen Deutschland und Frankreich protestiert. 20 Atomkraftgegner aus Deutschland und Frankreich errichteten auf dem Gehsteig entlang der Europabrücke eine Wand aus 150 gelben Fässern, die das schwarze Atomzeichen trugen. Der Verkehr wurde nicht behindert. Das Europaparlament forderte unterdessen in einer mit großer Mehrheit angenommenen Resolution, Atommülltransporte in Europa so weit wie möglich zu verringern. Die EU-Kommission solle entsprechende Vorschläge für die Mitgliedstaaten ausarbeiten.

Auf der Rheinbrücke zwischen dem badischen Grenzort Kehl und Straßburg verteilten die Greenpeace-Mitglieder Flugzettel aus Deutsch und Französisch an die Autofahrer und Passanten, um gegen die von der Bundesregierung beschlossenen Castor-Transporte zu demonstrieren. Auf Transparenten war zu lesen: "Das deutsche Entsorgungskonzept: Atommüll nach Frankreich" und "Frankreich ist keine Atommüllkippe für Deutschland". Nach der Aktion in Kehl will die Umweltorganisation in Frankreich eine Tour entlang der möglichen Transportstrecke starten, um über die Gefahren der Atomtransporte zu informieren.

Greenpeace setzte mit der Aktion die Proteste gegen die von der Bundesregierung beschlossene Lieferung von 1 250 Tonnen Atommüll nach Frankreich fort. Diese Menge an abgebrannten Brennstäben wollen deutsche Atomkraftwerke innerhalb der nächsten fünf Jahre in die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague in der Normandie schicken. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac hatten bei einem Treffen im Elsass die Wiederaufnahme der Castortransporte vereinbart.

Nach Informationen von Greenpeace sollen nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg vom 25. März die ersten Eisenbahn-Waggons mit Atommüll aus La Hague ins Zwischenlager Gorleben rollen. Für die Route kämen mehrere Bahn-Grenzübergänge im Elsass und in Lothringen in Frage. Der Rücktransport ist Voraussetzung dafür, dass Deutschland neuen Atommüll nach La Hague schicken kann.

Laut Greenpeace-Sprecher Schurig haben die deutschen Betreiber der Atomkraftwerke allein für dieses Jahr Transportgenehmigungen für 25 Atombehälter nach Frankreich. Sechs Castor-Behälter sollen dafür nach Deutschland zurückkommen. Der so genannte "Atomkonsens" erlaube den Energiekonzernen bis zum Jahr 2005 noch rund 500 Transporte in die Wiederaufbereitungsanlagen La Hague und Sellafield (Großbritannien).

Die EU-Abgeordneten erwarten in ihrer Entschließung, dass vor allem die EU-Beitrittsländer aus Mittel- und Osteuropa die internationalen Mindeststandards für Atommülltransporte vollständig übernehmen. Kommunal- und Regionalbehörden sollten rechtzeitig und vollständig über bevorstehende Transporte informiert werden. Das Parlament verurteilte außerdem mit Nachdruck jeden gewalttätigen Protest gegen die Transporte. Friedliche Demonstrationen dagegen müssten jedoch möglich sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%