Proteste gegen PDS
Berlin und Bundesländer gedachten Maueropfer

Begleitet von teils lautstarken Protesten gegen eine Zusammenarbeit von SPD und PDS ist in Berlin am 40. Jahrestag des Mauerbaus der Opfer gedacht worden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) rief an der Gedenkstätte Bernauer Straße dazu auf, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte bei der Gedenkveranstaltung des Berliner Senats, es müsse von fast 1000 Todesopfern durch das DDR-Grenzregime ausgegangen werden. Der Bundeskanzler wurde mit Rufen wie "SPD schäm Dich" und "Pfui, Schröder" bedacht. Auch bei der Senatsveranstaltung im Roten Rathaus kam es zu Protesten.

p>dpa BERLIN. Erstmals wurde an diesem Montag anlässlich eines Jahrestages des Mauerbaus fast in allen Bundesländern halbmast geflaggt. Auch in Ländern wie Bayern und Sachsen-Anhalt wurde mit Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen an den 13. August 1961 erinnert. Damals hatte das DDR-Regime mit der Abriegelung der Grenzen zu West-Berlin begonnen und damit die deutsche Teilung besiegelt. Erst am 9. November 1989 wurde die Mauer wieder durchlässig.

Die oberfränkische CSU erinnerte mit einer Gedenkveranstaltung an die ehemalige Grenze zwischen den Gemeinden Welitsch und Heinersdorf. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) setzte sich für den Abbau sämtlicher geistiger Mauern in der Bevölkerung ein. Damit meiner er nicht nur die Mauer zwischen Ost und West. "Ich meine Mauern zwischen Arm und Reich, Deutschen und Ausländern, Arbeitslosen und Überbeschäftigten", sagte Höppner in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn am ehemaligen Grenzübergang.

Thierse fordert mehr Verständnis für Ostdeutsche

Bundestagspräsident Thierse sagte in Berlin: "Der fast 1000 Toten, ihrer besonders, gedenken wir am heutigen Tag." In der ARD warb Thierse dafür, den Ostdeutschen und ihren Problemen mit mehr Verständnis zu begegnen. "Schließlich waren wir über Jahrzehnte eingesperrt." Kurz nach Thierses Rede entrollten zwei Männer ein Transparent mit der Aufschrift "SED - Partei der Unfreiheit. SED - PDS - SPD - neue Normalität?". Ein ehemaliger politischer Häftling verwahrte sich gegen die Kränze der PDS in der Mauergedenkstätte. In der Bernauer Straße hatten Demonstranten die zwei Gedenkkränze der PDS entfernt.

Bundespräsident Johannes Rau bezeichnete den 40. Jahrestag als Mahnung zur gemeinsamen inneren Gestaltung der Einheit Deutschlands. "Wir dürfen das Leid und das Unrecht nicht vergessen, das so vielen zugefügt worden ist", sagte Rau in einer Fernsehansprache, die an diesem Abend von ARD und ZDF ausgestrahlt wird.

Der Berliner PDS-Spitzenkandidat Gregor Gysi lehnte eine Entschuldigung seiner Partei für den Mauerbau erneut ab. Im InfoRadio Berlin-Brandenburg sagte er, eine Entschuldigung könne nicht stellvertretend von denen abgegeben werden, die zum Zeitpunkt des Mauerbaus noch Kinder waren. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatten am Montag die PDS erneut dringend zu einer Entschuldigung aufgefordert.

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