Proteste gegen Sparpläne
Keine Belebung bei Salzgitter

Der Stahl- und Röhrenkonzern Salzgitter sieht nach seinem Gewinneinbruch in den ersten drei Monaten auch im zweiten Quartal noch keine Besserung seines Geschäfts. Mit seinen jüngsten Beschlüssen zum Personalabbau hat der Vorstand massive Proteste von Belegschaft und IG Metall ausgelöst.

Reuters BRAUNSCHWEIG. "Der Ausblick auf die nächsten Monate gestaltet sich schwierig", sagte Vorstandschef Wolfgang Leese am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Braunschweig. Eine durchgreifendere Erholung sei frühestens im Laufe des zweiten Halbjahres zu erwarten. Leese blieb bei der Prognose, der Konzern werde 2003 ein Vorsteuerergebnis im mittleren zweistelligen Millionenbereich und damit unter Vorjahr erzielen. 2002 hatte sich der Vorsteuergewinn bereits von 160 Mill. ? auf 72 Mill. ? mehr als halbiert. Im ersten Quartal fiel der Vorsteuergewinn von 20 Mill. auf 6,2 Mill. ?.

"Die Konjunktursituation, die Entwicklung der Aktienmärkte und die Gefahr einer starken Abwertung des Dollars bergen nach wie vor erhebliche Risiken", sagte Leese. Der Stahlbereich leide unter der schwachen Baukonjunktur. Auch der Röhrenbereich, im Vorjahr deutlich stärker als die Stahlsparte, könne sich derzeit nicht von der schwachen Weltwirtschaft freimachen.

Leese bekräftigte gleichwohl die mittelfristige Konzernstrategie, den Umsatz von zuletzt 4,7 Mrd. ? binnen weniger Jahre auf acht bis zehn Mrd. ? zu steigern. Als Vorsteuerergebnis strebt Salzgitter für 2006 rund 170 Mill. ? an. Wesentlich zur Ergebnisverbesserung beitragen soll das Sparprogramm, das binnen drei Jahren den Abbau von 1 500 der konzernweit 18 400 Arbeitsplätze vorsieht.

Vor der Hauptversammlung demonstrierten knapp 100 Beschäftigte gegen jüngste Beschlüsse zur Beschleunigung des Stellenabbaus. Der Vorstand will die Altersteilzeit vorerst aussetzen und befristete Verträge ab Ende Juli nicht mehr verlängern. Sprecher von Betriebsrat und IG Metall forderten vom Vorstand Verhandlungen über Alternativlösungen wie vorübergehende Absenkung der Arbeitszeit. Falls sich der Vorstand dem verweigere, werde man die Proteste ausweiten.

Die Hauptversammlung billigte den Antrag des Vorstand auf Ermächtigung für eine Kapitalerhöhung um 25 % des bisherigen Grundkapitals. Dabei können die Aktionäre für bis zu zehn Prozent vom Bezugsrecht ausgeschlossen werden. Nach den Worten von Vorstandschef Leese handelt es sich um einen Vorratsbeschluss. "Einen konkreten Anlass dafür gibt es derzeit nicht", sagte Leese. Unter den Aktionären wurde spekuliert, Salzgitter könne möglicherweise die Kapitalerhöhung nutzen, um seinen Minderheitsanteil am französischen Röhrenhersteller Vallourec zur Mehrheit auszubauen.

Die im MDax notierte Salzgitter-Aktie legte am Mittwoch um knapp vier Prozent auf 7,24 ? zu. Fondsmanager und Aktionärsvertreter beklagten, dass die Salzgitter-Aktie mehr als 50 % unter ihrem Buchwert liege. Als wesentlicher Grund wurde dafür der nach wie vor starke Einfluss des Landes Niedersachsen als Hauptaktionär mit 25 % der Anteile angeführt. Das Land sowie die Norddeutsche Landesbank, die weitere Anteile hält, sollten sich aus dem Unternehmen zurückziehen.

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