Proteste gegen Sparpolitik der Regierung
Argentinien bemüht sich um Milliardenspritze vom IWF

Der argentinische Präsident Fernando De la Rua hat sich zuversichtlich über weitere internationale Hilfe zur Überwindung der gegenwärtigen Schuldenkrise geäußert. "Die Grundlagen der Wirtschaft sind gesund", betonte De la Rua am späten Mittwochabend vor Journalisten. In Washington bemüht sich eine argentinische Regierungsdelegation seit sechs Tagen um eine weitere Finanzhilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF).

ap BUENOS AIRES. Dabei soll es Presseberichten zufolge um einen Beistandskredit über sechs bis neun Mrd. Dollar (rund 19,20 Mrd. DM/9,83 Mrd. ?) gehen - zusätzlich zu bereits bewilligten 14 Mrd. Dollar. Ob es dafür eine Zustimmung der größten IWF-Anteilseigner geben wird, scheint aber noch nicht sicher. Am Dienstag telefonierte IWF-Direktor Horst Köhler deswegen mit den Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten (G-7). US-Finanzminister Paul O'Neill erklärte am Mittwoch in einem Interview des Fernsehsenders CNBC: "Wir hoffen sehr, dass die von Präsident De la Rua und Finanzminister Domingo Cavallo betriebene Politik zu einem Gefühl der Stabilität führen und das Wachstumspotenzial in Argentinien umsetzen wird."

Die Sparpolitik hat jedoch auch die innenpolitischen Spannungen in Argentinien verschärft. Mit Blockaden der wichtigsten Hauptstraßen in Buenos Aires protestierten am Mittwoch Beschäftigte des öffentlichen Dienstes gegen die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Regierung und vor allem gegen eine 13-prozentige Kürzung ihrer Gehälter. Mit schwarzen Ballons und Trauergebinden begingen die Demonstranten einen "Tag der Trauer" um die seit 1998 in der Rezession steckende Volkswirtschaft.

Argentinien-Krise voraussichtlich auch Thema der Rio-Gruppe

Die Regierung De la Ruas hofft, mit ihrem siebenten Austeritätsplan seit 1999 das für dieses Jahr erwartete Haushaltsdefizit von 1,5 Mrd. Dollar zu verringern. Außerdem soll den internationalen Gläubigern die Botschaft vermittelt werden, dass Argentinien den Schuldendienst für seine Verbindlichkeiten von 130 Mrd. Dollar trotz der derzeitigen Wirtschaftskrise aufrecht erhalten kann.

Die Wirtschaftskrise in Argentinien wird am Freitag und Samstag in Santiago de Chile voraussichtlich auch die Teilnehmer des Gipfeltreffens der Rio-Gruppe beschäftigen, der 18 lateinamerikanische Staaten angehören. Dem Vernehmen nach wollen die Teilnehmer an den IWF und die Industriestaaten appellieren, sich im Umgang mit der Schuldenkrise in Argentinien und anderen Entwicklungsländern flexibler zu verhalten.

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