Proteste gegen Wirtschaftspolitik
Rücktritt stürzt Argentinien in neue Krise

Der Rücktritt des Wirtschaftsministers belastet die Bemühungen der argentinischen Regierung um einen Ausweg aus der Finanzkrise. Präsident Eduardo Duhalde traf am Dienstag zu Krisensitzungen mit Kabinettsmitgliedern, Abgeordneten und Provinzgouverneuren zusammen. Der zurückgetretene Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov hatte vier Monate lang vergeblich nach der Formel für einen Neuanfang gesucht.

WiWo/ap/dpa BUENOS AIRES. Gouverneure und Abgeordnete der herrschenden Peronisten mussten bei ihrer Ankunft am Wohnsitz von Präsident Eduardo Duhalde wegen aufgebrachter Demonstranten den Hintereingang nehmen. Im Nordwesten des Landes kam es zu Straßenschlachten. Zuvor hatte der Kongress die Abstimmung über ein Gesetz verschoben, mit dem die Regierung einen drohenden Bankenkollaps verhindern wollte.

Lenicov stellt im Februar ein Notprogramm vor, das mit der Freigabe des Peso-Kurses die Exportchancen der Volkswirtschaft verbessern sollte. Zuletzt schlug er vor, private Spareinlagen bei den Banken nicht bar, sondern in Form von Anleihen auszuzahlen. Seit 1. Dezember vergangenen Jahres sind Barabhebungen bei den Banken streng limitiert, um eine massive Kapitalflucht zu verhindern. Die Pläne Lenicovs stießen erneut auf Proteste in der Bevölkerung.

Nach dem Scheitern des fünften Wirtschaftsministers seit Anfang vergangenen Jahres sind der Außenhandelsfachmann Alieto Guadagni und der frühere Zentralbankpräsident Javier Gonzalez Fraga als mögliche Nachfolger im Gespräch. Guadagni gehörte bereits dem Kabinett des früheren Präsidenten Carlos Menem an. Beobachter werteten den Rücktritt Lenicovs als Schwächung Duhaldes. Der zum Jahresbeginn vom Kongress ernannte Präsident soll das Land bis zu Neuwahlen im September 2003 aus der Krise führen. Kritiker des peronistischen Politikers fordern jedoch, dass schon vorher Wahlen angesetzt werden.

Remes Lenicov verzichtete inmitten von Medienspekulationen über Rücktritte zahlreicher Minister auf sein Amt. Er war der fünfte Wirtschaftsminister Argentiniens in etwas mehr als einem Jahr. Auch überv einen Rücktritt Duhaldes wurde spekuliert. "Im Moment hilft Duhalde nur, dass niemand anders seinen Posten haben will", sagte Christian Stracke von der Commerzbank. "Auf der einen Seite will niemand, dass er etwas unternimmt, aber auf der anderen Seite will auch keiner, dass er geht."

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