Proteste richten sich gegen Ex-Regierungspartei
Brutales Vorgehen gegen Studentenprotest in Indonesien

Reuters JAKARTA. Indonesische Polizisten sind am Freitag mit Wasserwerfern und Tränengas gegen protestierende Studenten vorgegangen. In Yogyakarta in Zentraljava protestierten nach Augenzeugenberichten rund 3 000 Studenten gegen Präsident Abdurrahman Wahid, der unter Korruptionsverdacht steht. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein, die die Eingänge zum Campus der Gajah-Mada-Universität blockierten. In der Hauptstadt Jakarta warfen rund 1 000 Studenten Molotow-Cocktails und Steine gegen ein Büro der ehemals regierenden Golkar-Partei und wurden von der Polizei mit Tränengas auseinander getrieben. Anhänger Wahids sind bereits öfter gegen Einrichtungen der Golkar-Partei vorgegangen, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten fordert.

In der Provinzstadt Yogyakarta protestierten die Studenten gegen einen Besuch von Wahid. Die Studenten fürchteten nach Zeugenaussagen, dass dieser auch den Campus besuchen werde. Ebenfalls aus Protest gegen Wahid übergaben im Parlament in Jakarta Politiker aus der Stadt Makassar mehr als 100 offizielle Fotos des Präsidenten, die aus örtlichen Regierungsbüros und Läden stammten. Ein Abgeordneter aus Makassar sagte, die örtlichen Behörden seien sehr unzufrieden mit Wahid.

Studenten fordern Auflösung der ehemals Regierungspartei

In Jakarta forderten die demonstrierenden Studenten die Auflösung der Golkar-Partei. Wartende Reisende einer nahen Bahnstation schlossen sich den Protesten an und bewarfen Polizisten mit Steinen. Zeugen berichteten, vier Studenten seien festgenommen und mindestens sechs von der Polizei verletzt worden. Die Polizei schlug auf drei Kameramänner ein, darunter einen der Nachrichtenagentur Reuters. Dieser hatte gefilmt, wie ein Polizist mit seinem Motorrad über einen am Boden liegenden Studenten fuhr.

Am Vortag hatten in Ostjava Tausende Anhänger Wahids für den moslemischen Geistlichen demonstriert. Nach Angaben der Polizei versammelten sich in der Kleinstadt Muncar rund 10 000 Menschen. Etwa 2000 Frauen einer Moslem-Organisation hatten zuvor in der Stadt Lumajang demonstriert. Ein Sprecher der Moslem- Organisation Nahdlatul Ulama sagte, die Zusammenkunft in Muncar sei kein Protest. Die Anhänger Wahids beteten nur dafür, dass der Präsident seine Amtszeit bis 2004 abschließe.

Wahid wird vorgeworfen, eine Spende des Sultans von Brunei für die indonesische Provinz Aceh von umgerechnet mehreren Mill. DM an offizielle Stellen vorbei geleitet zu haben. Zudem sollen Vertraute Wahids in dessen Auftrag umgerechnet 8,3 Mill. DM bei der Nationalen Lebensmittelbehörde veruntreut haben. Wahid hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Insgesamt belaufen sich die mutmaßlich veruntreuten Summen auf etwa 12,9 Mill. DM.

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