Proteste und Gedenken
Montblanc-Tunnel wieder für Verkehr geöffnet

Über eine Öffnung des Montblanc-Tunnels für Lastwagen ist noch nicht entschieden worden.

afp PARIS. Der französische Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot habe lediglich betonen wollen, dass das Bauwerk dazu ab dem 15. März "technisch bereit" sei, erklärte das Büro des Premierministers am Sonntag in Paris. Eine Entscheidung gebe es aber noch nicht. Gayssot hatte den kommenden Freitag als Starttermin für den umstrittenen Lkw-Verkehr durch Europas höchsten Berg genannt.

Seit Samstag rollen wieder Autos durch den Tunnel

Drei Jahre nach der Brandkatastrophe im Montblanc-Tunnel rollten wieder Autos durch die wichtige Verbindung zwischen Frankreich und Italien. Erste Wagen durchfuhren am Samstagnachmittag von beiden Seiten aus die 11,6 Kilometer lange Röhre, die Chamonix in den französischen Alpen mit Courmayeur im italienischen Aosta-Tal verbindet. Hinterbliebene und Tunnel-Beschäftigte gedachten der 39 Menschen, die nach einem schweren Unfall am 24. März 1999 im Tunnel verbrannt oder erstickt waren.

Die Autofahrer nahmen den erneuerten Tunnel gut auf: Allein am Samstagnachmittag durchquerten nach Angaben der Betreiber fast tausend Fahrzeuge in jeder Fahrtrichtung den Tunnel. Am Sonntag schraubte sich das Verkehrsaufkommen auf 400 Wagen pro Stunde; Neugierige mussten eine halbe Stunde Wartezeit mitbringen. Nicht alle Fahrer hielten sich an den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 150 Metern, monierten die Betreiber.

Das Feuer von 1999 hatte gravierende Sicherheitsmängel im Mitte der 60er Jahre erstmals geöffneten Montblanc-Tunnel gezeigt. Das Bauwerk war geschlossen und ab Herbst 2000 für geschätzte 350 Millionen Euro renoviert worden. Experten zufolge ist der Tunnel nun so sicher wie kein anderes vergleichbares Bauwerk. Für Notfälle gibt es drei Feuerwehrstationen und 37 hitzebeständige Fluchtkammern, die mit einem durchgehenden Rettungsschacht unter der Verkehrsröhre verbunden sind. Im Verkehr gilt Tempo 70. Eine Hin- und Rückfahrt kostet für Autofahrer ab Montag 31,90 Euro.

Bei einer Zeremonie in der Rettungsstation mitten im Tunnel erteilten drei Priester aus den Grenzorten Chamonix, Courmayeur und Entreves dem Bau ihren Segen. Hinterbliebene der Brandkatastrophe hinterlegten Kränze für die Opfer. Mehr als 2 000 Menschen protestierten friedlich gegen Lkws. Seit der Schließung des Bauwerks vor drei Jahren hätten sich die Schadstoff-Emissionen um 85 Prozent verringert, der Verkehrslärm sei um die Hälfte gesunken, betonten Umweltschützer in Courmayeur.

EU-Kommissionspräsident Romando Prodi zeigte sich "erleichtert" nach der Wiederaufnahme des Verkehrs auf einer der wichtigsten Straßenverbindungen Italiens. Aus Umweltschutz-Gründen sollten nun Straße und Schiene besser aneinaner angebunden werden, forderte er. Die EU-Kommission verlangt seit Jahren den Bau der transalpinen Eisenbahnverbindung von Lyon nach Turin. Für das ehrgeizige Vorhaben müssen mehrere Tunnel gegraben werden, darunter einer von 54 Kilometern Länge.

Große Bedeutung für Italiens Exportwirtschaft

Regierungsvertreter verurteilten die Explosion eines Sprengsatzes am Rand des Grenztunnels. Der zum künstlichen Auslösen von Lawinen gedachte Sprengsatz ging in der Nacht zum Samstag auf dem Parkplatz am französischen Tunneleingang hoch; dabei wurde ein Servicefahrzeug beschädigt. Italiens Innenminister Claudio Scajola sagte: "Man kann den Fortschritt nicht aufhalten."

Der Montblanc-Tunnel ist vor allem für Italiens Exportwirtschaft von großer Bedeutung; nach Angaben des römischen Verkehrsministers Pietro Lunardi kostete die dreijährige Schließung sein Land unter dem Strich 2,58 Milliarden Euro.

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