Protestorganisationen kündigten für kommenden Dienstag massive Demonstrationen und Blockaden an.
Köhler: "Globalisierung für alle" soll Leitmotiv des IWF werden

dpa PRAG. Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll zu einer offenen Institution werden, die sich der Stabilisierung der Finanzmärkte ebenso verpflichtet fühlt wie der Armutsbekämpfung. So hat der neue Generaldirektor Horst Köhler am Mittwoch im Vorfeld der Weltwährungskonferenz in Prag sein Ziel als Chefmanager des IWF umschrieben. "Eine Weltwirtschaft, die für alle arbeitet" solle das Leitmotiv des ersten Finanzgipfels im neuen Jahrtausend sein. Dazu werden 15 000 Teilnehmer aus aller Welt in der tschechischen Hauptstadt erwartet. Protestorganisationen kündigten für kommenden Dienstag massive Demonstrationen und Blockaden an.

Er wolle den IWF an die Veränderungen der Weltwirtschaft anpassen, ihn auf seine Hauptverantwortung konzentrieren und zu einem effektiven Werkzeug bei der Arbeit an einer "Globalisierung für alle" machen, sagte Köhler (57). Der frühere Bonner Finanzstaatssekretär hat im Mai seine Arbeit als erster Deutscher an der Spitze einer der wichtigsten Weltorganisationen aufgenommen. Der IWF müsse sich auch den Schattenseiten der Globalisierung stellen und einen offenen Dialog mit seinen Kritikern führen, sagte Köhler. "Daraus können wir nur lernen."

Er unterstrich die Notwendigkeit, den Fonds wieder auf seine monetären Aufgaben zu konzentrieren. Dem diene die beschlossene Straffung der Kreditprogramme, mit der vor allem langfristige Kredite unattraktiv gemacht werden. Überwachung der Finanzmärkte und der Wechselkurse im Interesse weltweiten Wachstums seien die Kernaufgaben des Fonds. Doch der IWF würde seinen Verpflichtungen nicht gerecht, wenn er sich nicht an der Bekämpfung der Armut beteiligen würde. Die extrem ungleiche Verteilung des Wohlstandes auf der Welt sei eine der größten Gefahren für die Entwicklung einer stabilen globalen Wirtschaftsordnung. In Zusammenarbeit, nicht in Konkurrenz mit der Weltbank müsse der IWF dazu beitragen, Wachstum in alle Regionen der Welt zu bringen. Er unterstrich das Ziel, bis Ende des Jahres 20 arme Entwicklungsländer in das Entschuldungsprogramm HIPC aufzunehmen.

Köhler verwies darauf, dass wichtige Reformen des IWF bereits von seinem Vorgänger Michel Camdessus eingeleitet worden seien. "Ich muss den Fonds nicht völlig umkrempeln." Der Wandel müsse aber noch beschleunigt werden. Dazu werde unter anderem ein unabhängiges Bewertungsbüro beitragen, das vom kommenden Jahr an die Arbeit des IWF kritisch begleiten soll.

Als ein Beispiel für die neue Politik des IWF führte Köhler den Umgang mit Russland an, das in der Vergangenheit umfangreiche Kreditpakte des IWF bekommen, daran geknüpfte Reformzusagen aber nicht eingehalten hat. "Wir achten mehr auf Taten und verlassen uns weniger auf Worte", sagte der IWF-Chef. Das Programm von Präsident Wladimir Putin sei vielversprechend, und der IWF sei zu Unterstützung und Beratung bereit. "Aber wir wollen Taten und konkreten Fortschritt sehen."

Die in der tschechischen Organisation INPEG vereinigten Kritiker von IWF und Weltbank haben für den kommenden Dienstag massive Proteste gegen den Finanzgipfel angekündigt. Bis zu 20 000 Demonstranten würden am Morgen von einem Platz im Stadtzentrum zum Tagungsort ziehen, sagte INPEG-Sprecherin Alice Dvorska am Mittwoch in Prag. Dort wolle man die Delegierten gewaltlos am Verlassen des streng abgeschirmten Kongresszentrums hindern. Tschechische Behörden hatten bereits im Vorfeld deutlich gemacht, jede Blockade von der Polizei auflösen zu lassen.

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