Proteststürme im Internet
Kriegsgegner hacken Webseiten

Der Irak-Krieg führt zu immer stärkeren Proteststürmen im Internet. So wurde die Website der britischen Regierung www.number-10.gov.uk am Wochenende von Hackern geknackt.

HB DÜSSELDORF. Wie der britische Newsdienst "The Register" am Montag, berichtete war die Seite der legendären Downing Street Nr. 10 am Sonntag zeitweise nicht erreichbar. Es wird vermutet, dass der Hack eine Protestaktion gegen die Irak-Politik von Premierminister Tony Blair war. Die Website ist mittlerweile wieder erreichbar. Die Hacker gingen mit dieser Aktien noch einen Schritt weiter, als beim jüngsten Angriff auf die Site des Weißen Hauses www.whitehouse.gov. Damals wurden lediglich Graffitis mit Anti-Kriegs-Parolen auf der Site platziert, sie blieb allerdings online. Die britische URL war überhaupt nicht mehr erreichbar. Ebenfalls am Wochenende hat die Hacker-Gruppe Carders rund 3000 Websites gehackt. Obwohl die Motive noch unklar sind, wird auch hier ein Anti-Kriegs-Statement als Motiv vermutet.

Bereits in der Nacht des ersten Angriffs auf den Irak hat die Crackergruppe Unix Security fast 400 Webseiten in den USA aus Protest geknackt. Auf den Webauftritten hinterließen die Hacker Parolen gegen den Krieg auf Englisch und Arabisch. Dies berichtete die "Washington Post" gestern unter Berufung auf das Sicherheitsunternehmen iDefense. Wörtlich hieß es: Dies sei "die neue, versprochene Ära des Cyberwar. Es wird weitergehen. Wie die USA mit der Welt tut, was sie will, werden wir mit dem Internet tun, was wir wollen. Stoppt die US-Terroristen und wir werden auch aufhören. Viva Irak."

In der Gruppe sind Cracker aus Ägypten, Marokko, Kuwait und Indonesien organisiert. Bisher ist das Team vor allem durch "Defacements" gegen israelische Seiten aufgefallen, mit denen gegen das vorgehen gegen das palästinensische Volk protestiert wurde. Bereits seit einigen Wochen verzeichneten die zuständigen Behörden und Sicherheitsunternehmen auch das Auftreten von Würmern mit entsprechenden Nachrichten. Häufig wurden dabei jedoch längste bekannte Schädlinge modifiziert.

Wie das britische Onlinemagazin "The Register" berichtet, sei es anderen Hackern sogar gelungen, in einen Server des US-Geheimdienstes NSA einzubrechen. Dabei habe es jedoch keinen Zugriff auf geheime Informationen gegeben. Den Angreifern seien lediglich E-Mail-Korrespondenzen zwischen Mitarbeitern des Pressestabes und einigen Nachrichtenagenturen in die Hände gefallen. Die NSA ist auf das Knacken von Kryptographie und die Überwachung von Kommunikationswegen spezialisiert. Auch der vor wenigen Tagen bekannt gewordene Abhör-Skandal in den Büros der EU in Brüssel, soll laut Medienberichten auf das Konto der NSA gehen.

Auch von Journalistenseite her mehren sich die Proteste. So dokumentieren zahlreiche Kollegen mit "verdunkelten Webseiten" im Internet ihre Ablehnung gegen den Irak-Krieg. Inzwischen hätten sich über 100 Journalistenseiten auf ganz individuelle Weise an der Antikriegs-Aktion beteiligt, erklärte Birgit Schießl von der Agentur Ad Publica Public Relations. "Manche Journalisten färben ihre Webseiten schwarz, andere lassen einen Teil ihrer Website leer oder platzieren Antikriegsbanner", erklärte sie gegenüber Handelsblatt com. Darunter seien bekannte Journalistenportale wie www.newsroom.de, www.pressguide.de, www.auslandsreporter.de sowie die Rechercheplattform www.jourweb.com. "Newsroom trägt schwarz: Journalisten gedenken den Opfern des Kriegs im Irak" formuliert das Internetportal des Oberauer-Verlages seinen Protest.

De internationale Friedensorganisation "Answer" in den USA rief auf seiner Internet-Seite zu weiteren Demonstrationen und Protesten auf, um diesen "brutalen, illegalen und kriminellen Aggressionskrieg" zu stoppen. Das deutsche "Netzwerk Friedenskooperative", ein Zusammenschluss von Kriegsgegnern, hatte per Internet und Handzetteln für den "Tag X" zu rund 350 Kundgebungen und Demonstrationen in ganz Deutschland aufgerufen. Die neue "Internationale des Friedens" werde nicht durch eine weltweite Organisation geschaffen, sondern "durch die globale Kommunikation Tausender und Abertausender lokaler Friedensinitiativen via Internet", teilte der Bundesausschuss Friedensratschlag, ein Zusammenschluss verschiedener deutscher Friedensgruppen, mit.

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