Protokoll von Kyoto im Fokus
Hartes Pokern: Klimagipfel in Marrakesch auf der Kippe

Bei harten Schlussverhandlungen stand der Weltklimagipfel in Marrakesch am Freitag auf der Kippe. Ein Abschluss verzögerte sich immer weiter in den späten Abend hinein. Vor allem Japan und auch Russland blockierten mit starren Positionen in Einzelpunkten eine Gesamtvereinbarung und drohten damit einen Erfolg zu gefährden.

dpa MARRAKESCH. Die EU, die zunächst keine substanziellen Kompromisse mehr machen wollte, verhandelte mit den Japanern direkt über eine Lösung. Umweltorganisationen appellierten an die japanische Delegation, einzulenken.

Ohne eine Verständigung mit Japanern und Russen kann das Kyoto- Protokoll zur Verminderung von Treibhausgasen nicht in Kraft treten. Eine Marathonsitzung bis in die Nacht zum Samstag wurde in Delegationskreisen nicht mehr ausgeschlossen.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) war am Freitagmorgen noch davon ausgegangen, dass es kein Scheitern mehr geben werde. Die wichtigsten strittigen Probleme seien geklärt, sagte er der dpa, bevor er bereits vor Konferenzende nach Berlin zurückflog.

Ein Länderblock, dem neben Japan, Russland auch Kanada und Australien angehören, lehnte allerdings noch mehrere Punkte eines abschließenden Gesamtpakets der Konferenzpräsidentschaft für einen Kompromissbeschluss ab. Auf der anderen Seite zogen die EU, die Entwicklungsländer und auch die Länder Osteuropas an einem Strang. Sie erklärten ihre Bereitschaft, das Gesamtpaket zu akzeptieren, wenn sich alle anderen Länder ebenfalls damit einverstanden erklärten.

Auf der Basis der Grundsatzbeschlüsse des Bonner Gipfels vom Juli sollen in Marrakesch mit einem verbindlichen Regelwerk endgültig die Weichen für die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls von 1997 gestellt werden. Darin verpflichten sich die Industrieländer die wichtigsten Treibhausgase bis 2012 (im Vergleich zu 1990) um im Schnitt 5,2 % zu vermindern.

Trittin reiste wegen einer Sondersitzung der Grünen - Bundestagsfraktion zum Bundeswehreinsatz im Afghanistan-Konflikt vorzeitig nach Berlin zurück. Er sei vom Fraktionsvorstand und der Parteivorsitzenden Claudia Roth um eine Teilnahme gebeten worden. Dem könne er sich nicht entziehen. An Trittins Stelle leitete für die deutsche Seite Hendrik Vygen aus dem Bundesumweltministerium die Abschlussverhandlungen.

Japan und Russland hätten auf Grund ihrer Schlüsselrolle beim Kyoto-Protokoll auch in Marrakesch eine starke Position, erläuterte Vygen. Doch keiner der Detailpunkte sei so gewichtig, dass diese Länder deshalb die Verhandlungen scheitern lassen könnten. Russlands Forderung nach höherer Anrechnung von Wäldern sei letztlich lösbar, betonte Vygen. «Dieses Problem wird eine Einigung nicht verhindern.»

Noch strittig waren insbesondere Zugangsbedingungen zum Handel mit Emissionsrechten sowie Regelungen für eine genaue und kontrollierbare Erfassung bei der Anrechnung von Wäldern zum Klimaschutzziel.

An einer für sie günstigen Lösung waren sowohl Japan wie auch Russland interessiert. Falls Russland wegen nicht verlässlicher Berichterstattung etwa über Wälder vom Handel mit Emissionsrechten ausgeschlossen würde, wäre dies nicht nur für Russland von wirtschaftlichem Nachteil. Auch Japan könnte dann von Russland keine solchen Rechte erwerben und müsste entsprechend stärker Treibhausgase im eigenen Land reduzieren.

Dies sei aber für Japan, dessen Emissionen seit 1990 noch gestiegen waren sehr schwer, hieß es aus der japanischen Delegation. Falls das Kyoto-Protokoll in Kraft tritt, verfügt Russland über reichlich Emissionsgutscheine, da es weit weniger Treibhausgase produziert, als ihm in Kyoto zugestanden wurden.

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