Prototyp des neuartigen Wellenkraftwerks „Wave Dragon“ wird ans dänische Netz angeschlossen
Kraftwerk nutzt die Energie des Meeres

Tüftler wollen mit einem mobilen Wellenkraftwerk die Energie des Meeres nutzen. Eine Testkonstruktion der Anlage, die zusammen mit Forschern der TU München entwickelt wurde, soll ab September an der dänischen Küste gestestet werden.

DÜSSELDORF. Der Drache ist gelandet. Im dänischen Nordseefjord Nissum Bredning breitet er seine 28 Meter langen Arme aus und wartet auf Wellen. Denn was Spaziergänger vom Ufer der Bucht aus an eine Mischung aus rotem Raumschiff und riesigem Lenkdrachen im Wasser erinnern könnte, ist in Wirklichkeit der Prototyp eines neuen Wellenkraftwerks namens "Wave Dragon".

Mit zwei großen Reflektorarmen leitet die auffällige Schwimmkonstruktion heranrauschende Wellen zu ihrem Mittelpunkt. Dort strömen die Brecher über eine Rampe in ein Bassin, das über dem Meeresniveau liegt. Wenn das Wasser dann ins Meer zurückfließt, wird es durch mehrere Turbinen geleitet und erzeugt so Strom. Der "Wave Dragon" gehört damit zu den so genannten "Overtopping Convertern" - das heißt, er wandelt die Lageenergie der Wellen, die in das Bassin geschlagen sind, in Elektrizität um.

Mehrere Unternehmen beteiligen sich an dem Bau der Testanlage

Das Funktionsprinzip des "Wave Dragon" hat sich der dänische Erfinder Erik Friis-Madsen bereits 1986 ausgedacht, als er Wellen über einem Atoll im Südpazifik zusammenschlagen und aus Löchern ins Meer zurücklaufen sah. Aber erst im März dieses Jahres lief der Prototyp im Maßstab 1 : 4,5 vom Stapel, der nun in dem dänischen Fjord schwimmt. Mehrere Unternehmen und Universitäten beteiligten sich an dem Bau. Erfinder Friis-Madsen selber übernahm mit seiner Firma Wave Dragon Test ApS, Kopenhagen, die Projektkoordination.

Ab September soll die Testkonstruktion nun in dem Fjord eine zweijährige Versuchsreihe durchlaufen. Dabei werden sieben Turbinen probehalber 20 Kilowatt Strom produzieren und ins dänische Netz einspeisen. 2006 will Friis-Madsen dann die Großausführung des "Wave Dragon" bauen lassen. Dieser wird 125 Meter lange Wellenreflektoren haben und mit 24 Turbinen 4 Megawatt Strom erzeugen können. Eine Kilowattstunde des fertigen "Wave Dragon" soll zunächst 8 Cent kosten. "Wir erwarten aber, dass wir unser Ziel von 4 Cent, den zurzeit auch Offshore-Windenergie kostet, zwischen 2010 und 2016 erreichen", sagt Friis-Madsen.

Die Anlage nutzt klassische Techniken

Für seine Position an diesem neuen Markt wird der "Wave Dragon" einige Vorteile nutzen können. Da er nach demselben Prinzip wie klassische Wasserkraftwerke an Flüssen oder Talsperren arbeitet, kann er auf eine ausgereifte Technologie zurückgreifen. "Diese Arbeitsweise gibt es im Prinzip schon seit hundert Jahren, sie musste nur für das Projekt adaptiert werden", sagt Wilfried Knapp, Leiter des Labors für hydraulische Maschinen und Anlagen der TU München, wo die Turbinen des Prototypen entwickelt, getestet und teilweise gebaut wurden. "Das ist eine sehr einfache, aber sehr effektive Konstruktion."

Da der "Wave Dragon" auf luftgefüllten Tanks schwimmt, ist er außerdem - anders als landgestützte Wellenkraftwerke - unabhängig von Ebbe und Flut. Außerdem kann er durch sein 5 000 Kubikmeter großes Bassin für eine konstante Stromproduktion sorgen. "Es ist gut, dass das Gerät mit normalen Wasserturbinen arbeitet", bestätigt Kai-Uwe Graw, Professor für Wasserbau in Leipzig, "denn diese Technik hat einen hohen Wirkungsgrad und eine niedrige Fehleranfälligkeit." Graw befürchtet jedoch, dass das System insgesamt nicht stabil genug für den starken Seegang auf offener See ist.

Diese Befürchtung teilt Wellendrachenerfinder Friis-Madsen nicht. Er will 25 Kilometer vor dem Festland bis zu 100 "Wave Dragons" zu Wellenkraftparks zusammenfassen. "Dann wird der ?Wave Dragon' ebenso leistungsstark wie traditionelle Kraftwerke mit fossiler Energie sein. Im Bereich der regenerativen Energien wird er wirtschaftlich absolut konkurrenzfähig sein." Nach Ansicht von Friis-Madsen steht die Technik für Wellenenergie kurz vor dem kommerziellen Durchbruch. Um Investoren anzulocken, seien jedoch bestimmte Unterstützungsmaßnahmen nötig. "Am besten ein über dem Durchschnitt fixierter Kilowattstundenpreis."

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