Proträt des möglichen EZB-Präsidenten
Volkswirte sehen in Trichet die Idealbesetzung

Der Richterspruch in Paris sollte für Jean-Claude Trichet alles klar gemacht haben: Nun steht seiner Ernennung zum Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) nichts mehr im Wege, sofern die Staatsanwaltschaft nicht in die Berufung geht. Kaum einem der während des Prozessverlaufs genannten Alternativ-Kandidaten wird eine so große Expertise zugesprochen wie dem 60-jährigen Trichet. Er gilt als energischer Verfechter einer stabilitätsorientierten Geldpolitik, der eher leise Töne pflegt und seine Anliegen beharrlich vorantreibt.

vwd FRANFURT. So machte er sich als Notenbankpräsident für einen starken Franc stark und stemmte sich mit Erfolg gegen den vergleichsweise hohen Preisdruck in Frankreich, was einen deutlichen Rückgang der Teuerung zur Folge hatte. Dabei irritierte es ihn auch nicht, in Anspielung auf die Geldpolitik der Bundesbank als "Ayatollah du Franc fort" oder "Hans-Claude Trichmeyer" verunglimpft zu werden und beschritt weiter den Weg, die französische Zentralbank vom Einfluss der Politik zu befreien. Auch zahlreiche Volkswirte sehen in Trichet die (französische) Idealbesetzung für die Führungsposition in der europäischen Geldpolitik.

Mit der EZB-Präsidentschaft, die nach dem Freispruch der französischen Richter und unter der Voraussetzung, dass die Staatsanwälte auf eine Berufung verzichten, als Formsache gelten darf, würde der 1942 in Lyon geborene Trichet eine Musterlaufbahn krönen: Nach Studien der Ingenieurs- und Politikwissenschaft verbrachte er 1969 ein Jahr bei der renommierten Elite-Hochschule "Ecole Nationale d'Administration" (ENA). Zwei Jahre später wurde er zum "Inspecteur des Finances" ernannt, im Anschluss hatte er verschiedene Positionen im Schatzamt sowie im Finanzministerium inne.

Es folgten 1978 Beratertätigkeiten für das Wirtschaftsministerium und den Präsidenten Valerie Giscard d'Estaing, insgesamt acht Jahre war Trichet Chairman des Pariser Clubs der Gläubigerstaaten. 1987 wurde er Direktor des Schatzamtes und 1993 schließlich Präsident der französischen Notenbank. Schon in der Vorläuferinstitution der EZB, dem Europäischen Währungsinstitut, war Trichet im Direktorium tätig, seit 1998 ist er Mitglied im EZB-Rat. Sollte seine Ernennung zum Präsidenten reibungslos über die Bühne gehen, stünden acht Jahren an der EZB-Spitze nichts mehr entgegen.

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