Provokation als Programm
Sprach-Artistin: Elfriede Jelinek

Der wichtigste Moment ihrer Karriere fand ohne Elfriede Jelinek statt. Am 10. Dezember sollte die österreichische Schriftstellerin mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet werden.

Aus Angst vor Menschenansammlungen verzichtete sie auf die Reise nach Stockholm. Die 58-Jährige hatte auch nicht an den Feiern teilgenommen, die das Wiener Burgtheater und das Literaturhaus am Tag der Preisvergabe in Stockholm ihr zu Ehren veranstalteten.

Ihren Fans, die im Burgtheater "Ein Fest für Elfriede Jelinek" feierten, übermittelte die Autorin lediglich eine Grußbotschaft per Tonband. Und so bekam Elfriede Jelinek die Urkunde zum Nobelpreis in einer kleinen, bescheidenen Feierstunde am vergangenen Freitag in Wien überreicht - unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Dieses Verhalten ist typisch für Elfriede Jelinek, die in Wien und München lebt. Als im Oktober klar war, dass sie den wichtigsten Literaturpreis der Welt erhalten sollte, machte sich nicht nur Freude, sondern auch Verwunderung breit. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass die streitbare Österreicherin ernsthafte Chancen auf den Nobelpreis haben könnte. Zwar hatte sie schon viele wichtige Literaturpreise gewonnen; ihre Romane und Dramen gelten aber auch als schwer zugänglich, weil die Autorin geradezu artistisch mit der deutschen Sprache umgeht.

Provokation gehörte stets zum Programm der ehemaligen Klosterschülerin. Als Studentin auf dem Wiener Konservatorium fand sie den Weg zur Literatur. Ihre österreichische Heimat tat sich lange schwer mit der radikalen Feministin. In beispiellosen Kampagnen wurde sie gar als "Kunst- und Kulturschänderin" angeprangert oder als "rote Pornografin" angegriffen. Von 1974 bis 1991 war Jelinek Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs.

Bekannt und zunächst vor allem in Deutschland anerkannt wurde sie 1983 mit dem Roman "Die Klavierspielerin". 1989 folgte das Skandalbuch "Lust", das wegen seiner obszönen Sprache auffiel und ein Bestseller wurde.

Zum zwölften Mal schon hat die schwedische Akademie der Schönen Künste einen deutschsprachigen Vertreter mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Jelinek steht nun in einer Reihe mit Thomas Mann, Heinrich Böll oder Günter Grass.

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