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Prozente gefragt

Wie fährt der Anleger besser - mit der Direktanlage in festverzinsliche Wertpapiere oder mit Rentenfonds? In unsicheren Zeiten wie diesen spricht viel für Fonds. Voraussetzung: Man erwischt den richtigen.

Die Katastrophe in den USA hat die ohnehin schon trüben Aussichten für die Weltwirtschaft weiter verdüstert. Viele Anleger sind verunsichert. Ihr Ziel: Das Geld, das nach der langen Talfahrt an den Aktienmärkten noch übrig geblieben ist, soll nun sicher geparkt werden. Festverzinsliche Wertpapier erscheinen da ideal. Doch ist es sinnvoll, jetzt direkt in Pfandbriefe, Staats- oder Unternehmensanleihen zu investieren? Für Richard Zellmann, Leiter Märkte und Strategien bei Helaba-Trust, ist derzeit nur eines gewiss: "Es wird auf absehbare Zeit keine Sicherheit geben. Bei Aktien ist besondere Vorsicht geboten. Festverzinsliche bieten sich daher an - trotz des niedrigen Renditeniveaus." Zellmann empfiehlt Staatsanleihen der EU-Länder mit Laufzeiten von zwei bis fünf Jahren, hält sich allerdings mit konkreteren Anlageempfehlungen zurück.

Es erweist sich als schwierig, das geeignete Papier zu finden. Sollte man also in diesen Zeiten, in denen die Märkte sensibel reagieren und nur äußerst schwer kalkulierbar sind, die Auswahl der Papiere nicht besser den Managern eines Rentenfonds überlassen?

Die Kritik ist alt und nicht unberechtigt: Wer sich für einen Rentenfonds entscheidet, bezahlt einen nicht zu unterschätzenden Verwaltungsapparat mit - das geht zu Lasten der Rendite. Wer dagegen sorgfältig ein ordentliches festverzinsliches Wertpapier auswählt, bekommt seine Zinserträge ohne Umwege gutgeschrieben und kann im Idealfall das Ergebnis eines Rentenfonds schlagen.

Grundsätzlich ist diese Betrachtungsweise sicher nicht falsch, doch Experten weisen auf Vorteile der Rentenfonds hin: "Da arbeiten geschulte Manager, die mit einer großen Masse Geld viel besser disponieren können als ein Privatanleger, der vielleicht 50 000 DM unterbringen will. So ein Betrag lässt sich nicht sinnvoll in verschiedene Rentenwerte stückeln", sagt Professor Klaus Fleischer vom Institut für Allfinanz und Controlling.

Das hören Fondsmanager natürlich gerne und untermauern Fleischers Argumentation. So etwa Bernhard Falk, der für den DWS -"Eurorenta" die Festverzinslichen aussucht: "Wir streuen das Risiko, mischen auch Papiere verschiedener Währungen bei. Welcher Kunde kann das schon hinkriegen?" Eurorenta legt in europäischen Rentenwerten an, Schwerpunkt sind Titel von Emittenten aus der Europäischen Union, aber auch Anleihen, die auf Zloty, Forint und Drachmen lauten, gehören zum Bestand.

In der Tat: Privatanleger dürften Probleme bekommen, ähnlich zu streuen. Doch die Streuung allein ist noch lange kein Garant für Qualität: Mit Anleihen von nicht erstklassiger Bonität wächst das Risiko, und mit ständigem Kaufen und Verkaufen steigen die Kosten. In der Praxis sieht es daher leider manchmal so aus, dass Rentenfonds schlechte Ergebnisse liefern.

Wir halten fest: Grundsätzlich haben Fonds gegenüber der Direktanlage Vorteile; im Einzelfall jedoch scheitern sie oft kläglich. Der Erfolg der Anlage steht und fällt daher mit der Auswahl des richtigen Rentenfonds: "Der Anleger muss die Fonds finden, die zu den oberen 20 bis 30 Prozent des jeweiligen Segments gehören, dann bewegt er sich auf der sicheren Seite", sagt Klaus Fleischer. Bei den unteren 70 Prozent verdirbt der Kostenfraß das Ergebnis: Ausgabeaufschlag, Verwaltungsvergütung und schlechtes Management ergeben unter dem Strich ein Ergebnis, das der Anleger mit einem Bundesschatzbrief genau so gut hätte erzielen können.

Dreh- und Angelpunkt ist also die Auswahl des Fonds, der Anleger darf nicht zum erstbesten Produkt greifen - muss er auch nicht: Ein Blick ins Internet zeigt, dass eine Vielzahl gut bewerteter Fonds zur Auswahl steht.

Hilfreich bei der Bewertung sind die Sterne, die die Ratingagentur Standard and Poor?s vergibt (siehe Kasten unten). Die besten zehn Prozent der Fonds einer Anlagekategorie (zum Beispiel "Renten Europa") bekommen fünf Sterne, die darauffolgenden 20 Prozent sind mit vier Sternen gekennzeichnet. Vier Sterne sollten es also schon sein. Wer sich für einen Fonds mit vier oder fünf Sternen entscheidet, bedient sich im oberen Drittel des Segments und hat reelle Chancen, mit dem Fonds besser abzuschneiden als mit der Direktanlage. Allerdings sind auch fünf Sterne keine Garantie für den Anlageerfolg: "Ein Fonds, der jetzt gut ist, kann in zwei Jahren zum letzten Drittel des Marktsegments zählen", gibt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale NRW zu bedenken.

Es gibt noch ein Werkzeug, mit dem sich der Kostenfraß minimieren lässt: Thomas Bieler empfiehlt, Rentenfonds nicht am Bankschalter zu ordern, sondern beim Discountbroker. Die locken Kunden mit deutlich reduzierten Ausgabeaufschlägen für viele Fonds.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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