Prozess begonnen
Terrorist Klein: Libyen war an Planung des Opec-Überfalls beteiligt

Reuters FRANKFURT. Libyen ist nach Aussage des mutmaßlichen Attentäters Hans-Joachim Klein maßgeblich an der Planung des Überfalls auf die Wiener Opec-Konferenz im Jahr 1975 beteiligt gewesen. "Die Waffen sowie alle sicherheitsrelevanten Informationen, die die Konferenz betrafen, stammten von libyschen Botschaftsangehörigen," sagte Klein am Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht. Dies habe ihn dazu veranlasst, bei dem Überfall mitzumachen, "da die Libyer als Konferenzteilnehmer die Risiken abschätzen konnten". Klein, der der Anklage zufolge als Mitglied der linksradikalen "Revolutionären Zellen" an der Tat beteiligt war, muss sich seit Dienstag unter anderem wegen dreifachen gemeinschaftlichen Mordes verantworten.

Bereits am Dienstag hatte der 52-Jährige über Unterstützung durch den libyschen Revolutionsführer Muammar Gaddafi bei seiner Flucht berichtet. Klein bestreitet den Mordvorwurf.

Ziel des Überfalls in Wien sei die Geiselnahme mehrerer Minister gewesen, um damit auf die Situation der Palästinenser aufmerksam zu machen, sagte Klein weiter. Gemeinsam mit Mitgliedern der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und der "Revolutionären Zellen" (RZ) sei der Überfall von einer Wohnung in Wien aus organisiert worden. Den Mitangeklagten Rudolf Schindler habe er während dieses Zeitraums nicht in der österreichischen Hauptstadt gesehen, sagte Klein entgegen früherer Aussagen. Als er im Herbst 1975 bei einem Treffen im Frankfurter Stadtwald für die Aktion angeworben worden sei, sei Schindler aber als RZ-Mitglied dabei gewesen.

Der Anklage zufolge hatte Klein unter dem Kommando des in Frankreich wegen Polizistenmordes verurteilten Ilich Ramirez Sanchez alias Carlos am 21. Dezember 1975 gemeinsam mit der 1995 verstorbenen Gabriele Tiedemann und drei Palästinensern die Konferenz der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) gestürmt. Bei dem Überfall wurden drei Menschen erschossen. Das Kommando nahm etwa 70 Geiseln, von denen mehr als 30 nach Algerien entführt und später gegen Lösegeld freigelassen wurden. Dem mitangeklagten 57-jährigen Schindler wird Anstiftung zum Mord vorgeworfen.

Klein, der bei dem Schusswechsel während des Überfalls schwer verletzt wurde, war mit dem Kommando und den Geiseln nach Algerien ausgeflogen worden. Später setzte er sich nach eigenen Angaben in den Jemen ab. Klein wurde im September 1998 von Zielfahndern des Bundeskriminalamtes in Frankreich verhaftet, wo er mehr als 20 Jahre lang unter falschem Namen gelebt hatte. Im Mai 1999 wurde Klein nach Deutschland ausgeliefert, wo er gegenüber der Staatsanwaltschaft umfassende Aussagen machte, die zur Anklage gegen Schindler und zur Festnahme einer weiteren Verdächtigen führten. Während des Prozesses sollen 78 Zeugen gehört werden, darunter auch Carlos.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%