Prozess beschleunigt sich
Mitgliederschwund bei SPD nimmt kein Ende

Die SPD verliert immer mehr Mitglieder. Ende April hatte die Partei einem von der "Frankfurter Rundschau" zitierten Papier der Parteizentrale zufolge noch 673 076 Mitglieder, was einem Rückgang von 20 800 Genossen in den ersten vier Monaten diesen Jahres entspricht. Obgleich diese Zahlen von der Bundespartei nicht offiziell bestätigt werden, belegt eine Umfrage bei den Landesverbänden den Abwärtstrend.

eve/HB DÜSSELDORF. Alleine in Nordrhein-Westfalen hat die SPD im ersten Quartal durch Parteiaustritte, Umzüge und Todesfälle rund 4 500 Mitglieder verloren und lag zum Ende des ersten Quartals noch bei 190 395 Mitgliedern, sagte Parteisprecherin Susanne Weineck. Seitdem gehe der Trend vor allem in den traditionellen SPD-Hochburgen im Ruhrgebiet nach unten.

Auch die SPD in Hessen hat in den letzten sechs Monaten drastisch an Mitgliedern verloren. Allein im Parteibezirk Hessen-Süd haben 1 500 Personen das Parteibuch zurückgegeben, erklärt der Bezirksvorsitzende Gernot Grumbach. Was die Parteifunktionäre beunruhigt, ist die zunehmende Beschleunigung des Prozesses. Zwar gibt die Landespartei keine offiziellen Zahlen heraus. Da die Entwicklung aber erklärtermaßen alle Landesteile betrifft, lassen sich die Austritte auf rund 2 200 im letzten halben Jahr oder etwa 1 600 seit Jahresbeginn hochrechnen. Ende 2002 lag die Mitgliederzahl in Hessen noch bei 87 299. Als alarmierend wertete der Landesgeschäftsführer Norbert Schmitt, dass anders als in der Vergangenheit inzwischen knapp 60 Prozent derjenigen, die der Partei den Rücken kehren mehr als 25 Jahre SPD-Mitglied seien. Es sei die "Generation der Willy-Wähler", die jetzt die SPD verlasse, erklärt Schmitt. Ähnlich massive Austrittszahlen verzeichnet ansonsten nur Bayern, wo sich infolge von Eintritten in die Partei der Mitgliederschwund im ersten Quartel bei nur 455 Mitgliedern liegt.

Auch in Rheinland-Pfalz sinkt die Zeit der Genossen - derzeit sind es rund 55 300. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres habe die Partei rund 200 Mitglieder mehr verloren als üblich, sagte SPD-Generalsekretär Roger Lewentz.

In Schleswig-Holstein haben in Zusammenhang mit den Entscheidungen der Bundesregierung seit Anfang des Jahres 80 Mitglieder ihren Austritt erklärt. Nach dem Parteitag will die SPD in Schleswig-Holstein jedoch die ausgetretenen Mitglieder zum Wiedereintritt in die Partei bewegen. Auch in Niedersachsen überwogen die Austritte.

Kein Hort des Widerstands gegen die Agenda ist Baden-Württembergs SPD. Dort gebe es keine Ausreißer bei den Parteiaustritten, sagte ein Sprecher.

Auch Hamburg zeigt sich unverändert. Von den knapp 14 000 Mitgliedern sind 2003 genau 70 ausgetreten. Die befürchtete Austrittswelle zum 14. März, als Schröder seine Agenda-Rede hielt, blieb aus.

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