Prozess gegen Physio-Therapeuten
Fünf Jahre Haft für Helfer von Reemtsma-Entführer

Im Prozess gegen einen Kurier des "Reemtsma- Lösegeldes" ist der 34-jährige Angeklagte am Freitag vor dem Aachener Landgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

dpa AACHEN. Als strafmildernd bewertete der Vorsitzende Richter Gerd Nohl unter anderem, dass der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte ein Geständnis abgelegt habe, "ohne sich selbst zu schonen". Der Mann aus Aachen wurde der versuchten Anstiftung zum Mord, Geldwäsche und des Verstoßes gegen das Waffengesetz für schuldig befunden.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine "milde Strafe" von sechs Jahren Haft gefordert, weil der Angeklagte mit seinem frühen und umfangreichen Geständnis die Ermittlungen gegen die Hinterleute der Entführung Jan Philipp Reemtsmas vorangetrieben habe. Der Hamburger Millionär war 1996 entführt und gegen ein Lösegeld in Höhe von insgesamt 30 Mill. DM frei gelassen worden. Auch der Verteidiger hatte für eine "außerordentlich milde Strafe" plädiert.

Nur ein kleines Rädchen

In seiner Urteilsbegründung bezeichnete Richter Nohl den 34-Jährigen als Befehlsempfänger und kleines Rädchen in der Organisation des Reemtsma-Entführers Thomas Drach: "Er wurde relativ spät in die Organisation eingebaut, in die sonst nur hochkriminelle Leute verwickelt waren." Ein "väterlicher Freund" habe den Kontakt zu Drachs Hintermännern vermittelt.

Nach zwei Testfahrten habe der Angeklagte im Mai 2000 bei zwei Kurierfahrten je drei Mill. Schweizer Franken im Auto nach Madrid gebracht. Im Juni habe er das Geld wieder nach Aachen zurückgeholt - möglicherweise, weil sich da die Auslieferung Thomas Drachs nach Deutschland abgezeichnet habe.

30 Mill. DM Lösegeld

Als er im Sommer weitere 750 000 $ zum Aufbewahren erhielt, habe er über umgerechnet rund neun Mill. von den 30 Mill. DM Lösegeld verfügt. Die sechs Mill. Schweizer Franken habe er im Herbst 2000 einem Kontaktmann in Lüttich übergeben.

Die Auftraggeber aus dem Umfeld Thomas Drachs wollten die weiterhin deponierten 750 000 $ zurück. Der Angeklagte hatte zu dem Zeitpunkt 100 000 $ für eigene Zwecke ausgegeben. In seiner Panik habe er einen Freund vergeblich überreden wollen, die bei der Geldübergabe voraussichtlich sechs anwesenden Leute zu erschießen.

Vorgetäuschter Raubüberfall

Der Vater von drei kleinen Kindern sei dann auf die "Schnapsidee" gekommen, das Verschwinden des Geldes mit einem vorgetäuschten Raubüberfall zu erklären. Für die perfekte Inszenierung wollte er sich anschießen lassen. Dabei sei er schwer verletzt worden. Sein Freund habe sich Tage später der Polizei gestellt.

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