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Prozess gegen "Shelter-Now"-Mitarbeiter hat begonnen

In Afghanistan ist gegen acht ausländische Entwicklungshelfer wegen angeblicher christlicher Missionierung am Dienstag der Prozess eröffnet worden.

rtr KABUL. Nach Angaben des Justizchefs der radikal-islamischen Taliban-Regierung, Noor Mohammad Saqib, begann das Verfahren, nachdem sich zuvor islamische Geistliche und Richter beraten hatten. Saqib sagte zu Journalisten, er könne nicht sagen, wie lange der Prozess dauern werde. Dies hänge von der Beibringung verlässlicher Beweise ab. Unklar blieb, ob die Angeklagten Ausländer - zwei Australier, zwei US-Amerikaner und vier Deutsche - im Gerichtssaal anwesend waren. Zudem sind 16 afghanische Mitarbeiter angeklagt, denen die Todesstrafe droht.

"Das Verfahren begann von heute an, aber wir können nicht sagen, wie lange es dauert", sagte Saqib in Kabul. Zuvor hatte er einen fairen Prozess zugesagt. Nach früheren Angaben des afghanischen Außenministeriums soll der Prozess öffentlich sein. "Es wird eine öffentliche Gerichtsverhandlung geben, bei der Diplomaten, Verwandte und Journalisten zuhören dürfen", hatte das Ministerium am Montag mitgeteilt. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte angekündigt, zum Prozessbeginn Konsularbeamte zu entsenden. Ob diese dem Prozess am Dienstag beiwohnten, war zunächst unklar. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sollen die Angeklagten auch von Anwälten vertreten werden.

Über das mögliche Strafmaß für die sechs ausländischen Frauen und zwei Männer gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Sie reichen von einigen Monaten Haft mit anschließender Ausweisung bis zu fünf Jahren Gefängnis. Den 16 inhaftierten afghanischen Mitarbeitern der Hilfsorganisation droht nach dem geltenden islamischen Recht die Todesstrafe. Die Taliban halten die Mitarbeiter von "Shelter Now International" seit mehr als vier Wochen fest.

Saqib sagte, die Angeklagten bekämen das Recht zu sprechen und sich zu verteidigen. Sie könnten Verteidiger hinzuziehen, wenn sie es wünschten. "Dies wird ein fairer Prozess." Das Oberste Gericht werde sein Urteil auf Basis der Beweise und des islamischen Rechts fällen. Aber Talibanführer Mullah Mohammad Omar habe die Autorität, das Urteil zu ändern und eine endgültige Entscheidung zu treffen, sagte Saqib weiter.

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