Prozess gegen Telebörse
Schmitz vergleicht sich mit dem Kanzler

Auch nach fünf Monaten Untersuchungshaft hat Kim Schmitz nichts von seiner Großspurigkeit verloren: "Ich war der Gerhard Schröder für Arme."

WiWo/ap MÜNCHEN. Am Montag musste sich Schmitz vor dem Münchner Amtsgericht wegen Insider-Handel verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf dem ehemaligen Partykönig vor, mit manipulierten Börsenkursen knapp 1,2 Millionen Euro erschlichen zu haben. Schmitz, der sich in Boulevardmagazinen als Partykönig "Dr.Kimble" feiern ließ, stellte sich in einer improvisierten Pressekonferenz im Gerichtssaal als Medienopfer dar: "Ich war auf dem besten Weg nach oben und dann kam LetsBuyIt." Laut Anklage soll der 28-Jährige Anfang 2001 den Aktienkurs des angeschlagenen Internet-Schnäppchenjägers LetsBuyIt.com künstlich in die Höhe getrieben haben, indem er ankündigte, das Unternehmen mittels seiner Kimvestor AG mit bis zu 50 Millionen Euro sanieren zu wollen. Kurz darauf verkaufte der Computer-Hacker seine zugleich für 345 000 Euro erworbenen Aktien zum mehr als vierfachen Preis von 1,58 Millionen Euro.

Laut Schmitz und seinem Rechtsanwalt war der Deal völlig in Ordnung. Er sei kein Insider, weil er als externer Investor gehandelt habe und nicht zur Firma gehörte. Der verdutzten Richterin Regina Holstein erklärte der Jungunternehmer, dass er die 50 Millionen "natürlich nicht" gehabt habe und auch nie investieren wollte. Auch räumte Schmitz ein, er habe "der Presse ganz klar ins Gesicht gelogen". Er sei nur auf Bitten des LetsBuyIt-Chef John Palmer zum Schein als Großinvestor eingesprungen, damit dieser mehr Zeit haben sollte, nach wirklichen Finanzgebern zu suchen.

Dem Fachmagazin "Telebörse", das die umstrittenen Geschäftsmethoden ans Licht gebracht hatte, warf Schmitz Lügen und Verleumdungen vor. Das Blatt habe ihn als "Drei-Zentner-Großmaul" fertig machen wollen, wovon er sich bis heute nicht erholt habe. "Ich besitze nichts mehr außer meiner Zelle in Stadelheim", betonte der einstige Neue-Markt-Millionär, der gegen die "Telebörse" prozessiert. "Meine Inhaftierung macht es schwer, um Gerechtigkeit zu kämpfen", liest Schmitz aus seiner fast einstündigen Erklärung zu Prozessbeginn vor.

Dass er als erster in Deutschland des Insiderhandels Beschuldigter in Haft kam, hatte Schmitz seiner spektakulären Flucht nach Thailand zu verdanken. Dort landete er in einer heruntergekommenen Gemeinschaftszelle eines Bangkoker Gefängnisses. Seinen 28. Geburtstag habe er vor seiner Abschiebung auf "bakterienverseuchtem Fußboden" mit 40 Mitgefangenen verbringen müssen, beklagte sich "Dr.Kimble".

Gleichzeitig gab Schmitz Einblick in seinen Geschäftsstil: Was er noch von den knapp 1,6 Millionen Euro (rund drei Millionen Mark) aus dem umstrittenen LetsBuyIt-Deal übrig hatte, steckte er in eine teure Party anlässlich des Formel-1-Grand-Prix' in Monaco: 1,2 Millionen Mark kostete allein eine angemietete Yacht, 250.000 Mark die Miete für 15 Ferraris mit denen die Gesellschaft aus München anrauschte. Die verschwenderischen Luxus-Partys seien ein strategisches Investment gewesen, führte der selbst ernannte Internet-König aus: "Da hat sich das Who-is-Who der Wirtschaftselite die Hand gegeben, und ich war der Gastgeber."

Stapelweise habe er wichtige Visitenkarten für kommende Geschäfte erhalten. Gerne nahm der Selbstdarsteller Klatsch-Reporter von Fernsehsendern und Illustrierten mit auf seine Trips in Stretch-Limousinen und Lear-Jets. Dies sollte als Werbung für seinen geplanten Börsengang dienen, behauptete er nun. Aber wegen der Negativpresse um seine angeblichen Betrügereien habe sich das Gelage von Monaco letztendlich als Schlag ins Wasser erwiesen. Und dies umso folgenreicher, weil er sich dafür auch noch 300.000 Euro von "mit Intelligenz verschonten Zuhältern" aus der Rotlichtszene geliehen habe, die er nicht habe zurückzahlen können, weshalb ihm seine Gläubiger nun nach dem Leben trachteten.

Dies sei auch der wahre Grund für seine Flucht gewesen, und nicht der Haftbefehl der Münchner Justiz, beteuerte Schmitz. Die Polizei, die er damals um Schutz gebeten habe, sei ihm nur mit Häme begegnet. Er habe wohl die falschen Anleger betrogen und doch genug Geld um unterzutauchen, habe ihm ein Polizist gesagt. "Ich empfinde daher meine U-Haft als große Ungerechtigkeit und Demütigung", betonte Schmitz. Das Urteil sollte frühestens am Montagabend, möglicherweise aber auch erst am Mittwoch ergehen.

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