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Prozess geplatzt: Düsseldorfer Flughafenbrand muss komplett neu aufgerollt werden

Gut acht Monate nach Prozessbeginn und 42 Verhandlungstagen muss das Strafverfahren um den Brand des Düsseldorfer Flughafens vom April 1996 neu aufgerollt werden.

Reuters DÜSSELDORF. Die 3. Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts entschied am Dienstag nach Anhörung zweier Sachverständiger, den Prozess wegen Alkoholkrankheit eines Schöffen abzubrechen und den Fall neu zu verhandeln. Beide Gutachter waren der Meinung, dass der 40-jährige Schöffe seit Beginn des Prozesses Mitte Dezember 1999 wegen chronischer Alkoholerkrankung in Verbindung mit Erinnerungs- und Wahrnehmungsstörungen prozessunfähig sei. Mit dem Neubeginn soll möglichen Revisionsgründen vorgebeugt werden.

Die Staatsanwaltschaft beantragte nach Anhörung der Gutachter, das Verfahren abzubrechen und umgehend neu zu verhandeln. Um ein Urteil dieses langwierigen Verfahrens nicht im Vorhinein zu gefährden, folgte der Vorsitzende Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft und setzte den Prozess neu an.

Das psychologische Gutachten wurde zum großen Teil zur Wahrung des Persönlichkeitsrechtes des Schöffen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört. Der medizinische Gutachter führte aus, es sei davon auszugehen, dass der 40-jährige Laienrichter bereits zu Prozessbeginn am 15. Dezember 1999 das Krankheitsbild aufwies. Damit wäre er für die gesamte Verfahrensdauer als prozessunfähig anzusehen.

Bei dem Brand des Düsseldorfer Rhein-Ruhr-Flughafens am 11. April 1996 kamen 17 Menschen ums Leben, 88 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Nach Auffassung der Anklage wurde das Feuer durch Schweißarbeiten an einer Dehnungsfuge ausgelöst. Maßgeblich verantwortlich seien vor allem der Einbau von leicht entflammbaren Dämmplatten im Flughafengebäude in den 70er Jahren gewesen. In dem Strafverfahren müssen sich elf Angeklagte verantworten, darunter der frühere Geschäftsführer des Flughafens sowie Schweißer, Bauleiter, Architekten, Brandschutzbeauftragte und ein Ingenieur. Bereits 1997 und Ende 1999 hatte die 6. Zivilkammer des Düsseldorfer Landgerichts der Flughafen Düsseldorf GmbH die Verantwortung für finanzielle Schäden gegeben.

Am 3. Juli wurde der Laienrichter wegen chronischer Alkoholerkrankung durch eine Ergänzungsschöffin ersetzt, die an dem Prozess von Beginn an teilgenommen hatte. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes steht ein prozessunfähiger Richter einem abwesenden Richter gleich. In einem solchen Fall ist die Kammer nicht beschlussfähig. Dies bedeute einen absoluten Revisionsgrund, sagte ein Anklagevertreter. Die bisherigen Gerichtskosten belaufen sich nach Angaben einer Gerichtssprecherin auf bis zu eine Million Mark. Im Verlauf des Prozesses wurden bislang mehr als 40 Zeugen und fünf Sachverständige gehört. Insgesamt waren 97 Zeugen und 14 Sachverständige vorgesehen.

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