Prozess in Frankfurt
Islamist gesteht Plan für Attentat auf Synagoge

Im Frankfurter Islamistenprozess hat einer der fünf Angeklagten gestanden, ein Attentat auf die jüdische Synagoge in Straßburg geplant zu haben. In seiner Erklärung am Dienstag vor dem Oberlandesgericht stritt der 26 Jahre alte Algerier Auerobi Beandali gleichzeitig jede Verbindung zum Terrornetzwerk El Kaida und dessen Gründer Osama bin Laden ab.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der von der Polizei vereitelte Anschlag war nach seinen Angaben gemeinsam für Ende Januar/Anfang Februar 2001 geplant und sollte nach dem jüdischen Feiertag Sabbat das leere Gotteshaus treffen. "Unser Ziel war es, die jüdische Synagoge zu sprengen, per Fernzündung mit dem von uns gemischten Sprengstoff", ließ er seine Verteidiger am zweiten Tag des Prozesses verlesen. Die Terroristen hätten die Explosion mit einer Kamera aufnehmen und die Bilder an internationale TV-Sender verteilen wollen.

Die Bundesanwaltschaft hatte in der Anklage als mögliche Straßburger Tatorte den Weihnachtsmarkt vor dem Münster und den Kleber-Platz genannt, während von der Synagoge nicht die Rede war. Den fünf Algeriern im Alter zwischen 26 und 33 Jahren werfen die Bundesanwälte Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung der "non-aligned Mujaheddin" (unabhängige Kämpfer) vor. Die Zelle war nach einem französischen Geheimdienst-Tipp zu Weihnachten 2000 in Frankfurt ausgehoben worden.

Als ein Motiv neben der israelischen Siedlungspolitik nannte der 1992 nach Deutschland gekommene Beandali die Unterdrückung der Islamisten in seinem Heimatland Algerien. Er habe erst vor vier Jahren begonnen, sich für Politik zu interessieren. Freunde hätten ihm dann "Beweise" für die Verbrechen der vom französischen Geheimdienst unterstützten algerischen Regierung vorgelegt, die anschließend den Islamisten angelastet worden seien. Mit dem Anschlag auf eine Synagoge in Frankreich hätten sie zudem das französisch-israelische Verhältnis belasten wollen.

"Ich habe mich entschlossen, über meine Religion den Weg zur Wahrheit zu finden", erklärte Beandali seinen Weg in den Terrorismus, von dem er sich insbesondere nach den Verbrechen vom 11. September losgesagt habe. Viele Antworten habe er in einer Glaubensschule der Taliban in Afghanistan erhalten, die er 1999 für drei Monate besuchte. Anschließend sei er neun Monate in einem Lager militärisch ausgebildet worden. "Dies war eine privat bezahlte Schulung, die nichts mit El Kaida und Osama bin Laden zu tun hat."

Beandali ließ die Rolle seiner Mitstreiter eher im Dunkeln und schilderte die teils dilettantisch anmutenden Attentatsvorbereitungen in groben Zügen. So habe der Mitangeklagte Salim Boukhari bei der Vorbereitung die Synagoge in Straßburg nicht gefunden und stattdessen das Münster samt Weihnachtsmarkt gefilmt. Das Video ist ein wichtiges Beweisstück in dem Verfahren.

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