Prozess in München
Kim Schmitz beteuert seine Unschuld

Wegen des Vorwurfs des Insiderhandels muss sich Schmitz alias Dr. Kimble vor Gericht verantworten. Zu Prozessauftakt wies er alle Vorwürfe von sich.

dpa MÜNCHEN. Der Internet-Unternehmer Kim Schmitz, eine der schillerndsten Figuren der New Economy, hat zu Beginn seines Prozesses wegen verbotenen Insiderhandels seine Unschuld beteuert. Der einstige Computer-Hacker soll unter Ausnutzung interner Informationen die Aktienkurse einer Firma hochgetrieben und dabei einen illegalen Millionengewinn erzielt haben. Der 28 Jahre alte Drei-Zentner-Mann wurde Anfang des Jahres in einem Luxushotel in Bangkok verhaftet. Der Prozess wurde am Montag in München von starkem Medienandrang begleitet.

Elf Fälle von Insiderhandel wirft die Staatsanwaltschaft dem Unternehmer vor, einen Gewinn von mehr als 1,1 Mill. ? soll sich Schmitz dabei erschlichen haben. Laut Anklage hatte er dem Vorstandsvorsitzenden des niederländischen Internet-Unternehmens Letsbuyit.com seine Bereitschaft signalisiert, 1,15 Mill. ? zur Abwendung eines drohenden Konkurses zu investieren. Im Gegenzug sollte dieser eine positive Ad-hoc-Meldung mit dem Ziel eines Kursanstiegs der Firmenaktien herausgeben. Tatsächlich stiegen die Aktien Anfang 2001 um mehr als 100 %, Schmitz machte mit den Wertpapieren erheblichen Gewinn.

Aktiengeschäfte mit Hilfe von Insider-Informationen sind in Deutschland seit 1995 unter Strafe gestellt. Die Münchner Richterin betonte zum Auftakt des Prozesses, dass erstmals ein firmenfremder Investor wegen Insiderhandels angeklagt sei. Bei den bisherigen Fällen habe es sich stets um Mitarbeiter einer Firma gehandelt, die mit internen Informationen Gewinne erschlichen hätten.

Schmitz, Chef der Münchner Kimvestor AG, beteuerte vor Gericht seine Unschuld. Auf Bitten der Führung von Letsbuyit.com habe er die Aktien der angeschlagenen Firma erworben, gab der 28-Jährige zu Protokoll. Ihm sei damals auch versichert worden, dass sein Vorgehen völlig legal sei, hieß es in einer 30 Seiten starken Erklärung. Nach Thailand sei er schließlich vor Gläubigern aus dem Rotlicht-Milieu, nicht aber vor den Ermittlungsbehörden geflüchtet.

"Kimble", wie sich der schillernde Internet-Unternehmer nach dem Protagonisten einer TV-Serie der 70er Jahre nennt, wurde vor Jahren schon zwei Mal wegen Betrugs bestraft. Danach startete der Hacker dann seine steile Karriere. Anfang des Jahres wurde gegen Schmitz Haftbefehl erlassen, er hatte sich jedoch bereits nach Bangkok abgesetzt. Dort kamen ihm aber wenig später Zielfahnder des Bundeskriminalamtes auf die Spur.

Für den Prozess war zunächst nur ein Verhandlungstag angesetzt. Ob jedoch tatsächlich noch am Montag ein Urteil ergehen sollte, war unklar.

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