Prozess mit zwei Stunden Verzögerung begonnen
Mutmaßliche El Kaida-Kämpfer vor Gericht

Der Angeklagte Lamine Maroni hatte nach Angaben der Gerichtsdolmetscher auf Arabisch das Frankfurter Oberlandesgericht beschimpft, auf seine Mitangeklagten eingeredet und mit lauter Stimme den Koran zitiert.

Reuters FRANKFURT. Auf Englisch sagte er in bezug auf das Gericht: "Diese Leute sind Juden. Sie wollen mich nur reinlegen." Auf Arabisch sagte er nach Dolmetscherangaben: "Ich brauche keine Verteidiger, mein Gott ist mein Verteidiger." Die übrigen vier Männer wandten ihr Gesicht ab, als kurz vor Prozessbeginn Kameras im Gerichtssaal zugelassen waren und verhielten sich auch während des Prozessauftakts ruhig. Die Algerier sollen Ende 2000 die erste funktionierende El Kaida-Zelle in Deutschland gebildet und einen Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt geplant haben.

Die Männer waren von Spezialkräften überwältigt worden, nachdem sie kurz nach Weihnachten im Jahr 2000 Maschinenpistolen, Faustfeuerwaffen und Munition in eine konspirative Wohnung in Frankfurt transportiert hatten. Bei der Durchsuchung mehrerer von den Männern angemieteter Wohnungen entdeckten die Ermittler eigenen Angaben zufolge große Mengen bombentauglicher Chemikalien, Anleitungen zur Herstellung und dem Einsatz funkgesteuerter Sprengsätze sowie weitere Waffen. Außerdem fanden sie einen selbst gedrehten Videofilm über eine Fahrt nach Straßburg, die der Auskundschaftung des Tatortes gedient haben soll.

Angeklagte offenbar in El Kaida-Langern ausgebildet

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft wurden alle Angeklagten in afghanischen Trainingslagern der El Kaida im Umgang mit Waffen geschult und zu Mudjaheddin ausgebildet. Spätestens im Herbst 2000 schlossen sie sich danach in Frankfurt zu einer Gruppe zusammen, der weitere Verdächtige angehört haben sollen. Ihr Ziel sei es gewesen, sich Waffen zu beschaffen und als Teil eines länderübergreifenden Netzes Anschläge zu begehen. Der mutmaßliche Anführer der Frankfurter Zelle wurde im Sommer 2001 in Spanien festgenommen. Nach einem seiner Decknamen wurde die Zelle als "Meliani"-Gruppe bekannt. Der Prozess wird voraussichtlich über ein Jahr dauern.

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen in der Frankfurter Innenstadt

Aus Furcht vor Anschlägen riegelte die Polizei den Justizkomplex im Zentrum Frankfurts am Dienstag ab. Wegen Sicherheitsfragen verspätete sich auch der Prozessauftakt um über zwei Stunden. Bereits seit einigen Wochen dürfen keine Fahrzeuge mehr in der unmittelbaren Umgebung des Gerichts parken, entlang der Außenmauern wurden Betonbarrikaden aufgestellt. Der Gerichtssaal ist für sicherheitskritische Prozesse ausgestattet, eine schusssichere Glaswand trennt den Verhandlungssaal vom Zuschauerraum.

Im Vorfeld des Prozesses hatte es heftige Kritik an der Entscheidung gegeben, den symbolträchtigen Prozess angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten ausgerechnet in der Frankfurter Innenstadt abzuhalten. Ein derartig großer und verwinkelter Gebäudekomplex mitten in der Innenstadt sei nicht hundertprozentig gegen Anschläge zu schützen, argumentierten prominente Richter. Es sei geradezu leichtfertig anzunehmen, dass sich gewaltbereite Islamisten davon abhalten ließen, die Festnahme der fünf Angeklagten durch einen Anschlag zu rächen oder sie durch eine andere Tat freizupressen. Vor dem Bundesgerichtshof scheiterte der Richterrat jedoch mit dem Versuch, die Verhandlung aus Sicherheitsgründen in den Hochsicherheitstrakt in Stuttgart-Stammheim verlegen zu lassen.

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