Prozess um Steuerhinterziehung
Boris Becker mit drei Anwälten im Schlepptau

Boris Becker steht vor entscheidenden Schicksalstagen. Am 23. Oktober beginnt gegen den 34 Jahre alten Tennisstar der Münchner Strafprozess wegen Verdachts der Steuerhinterziehung.

HB/dpa MÜPNCHEN. Der dreimalige Wimbledonsieger soll dem deutschen Fiskus in den Jahren 1991 bis 1993 insgesamt 3,1 Millionen Mark (knapp 1,6 Millionen Euro) vorenthalten haben. Im Falle eines Schuldspruchs droht Becker möglicherweise eine Freiheitsstrafe, schlimmstenfalls sogar ohne Bewährung.

Der gebürtige Leimener hat den Ermittlungen zufolge von 1991 bis 1993 zwar offiziell im Steuerparadies Monaco, tatsächlich aber in München gelebt. Damit wäre er in Deutschland voll steuerpflichtig gewesen. Die Steuerfahndung soll herausgefunden haben, dass Becker in dieser Zeit dem Fiskus rund 10,4 Millionen Mark (5,3 Millionen Euro) vorenthielt. Die Staatsanwaltschaft hielt bei ihrer Anklageerhebung aber nur den genannten Betrag von knapp 1,6 Millionen Euro für eindeutig strafrechtlich relevant. Bei sonstigen Beträgen ist unklar, ob diese steuerrechtlich zum Beispiel als Rückstellungen anzuerkennen sind.

Mit großer Spannung wird erwartet, wie sich Becker bei dem schwierigen gerichtlichen "Match" verhalten wird. Wird er, falls die Vorwürfe zutreffen, ein Geständnis ablegen und sich so ein mildes Urteil sichern, oder wird er versuchen, die Vorwürfe zu widerlegen? Becker selbst hat sich bisher kein Wort zu dem Prozess entlocken lassen. Auch sein Anwalt, Prof. Erich Samson, gibt sich wortkarg und meint lediglich: "Wir haben volles Vertrauen in die bayerische Justiz."

Bei dem Prozess vor der 4. Strafkammer des Landgerichts München I will Becker gleich mit drei namhaften Anwälten erscheinen. Neben Samson hat er auch die beiden Münchner Juristen Prof. Klaus Volk und Jörg Weigell als Verteidiger gewonnen. Samson ist wie seine Kollegen Experte für Wirtschafts- sowie Steuerstrafrecht. Er ist Mitverfasser eines Kommentars zum Steuerstrafrecht. An der Universität Kiel ist Samson derzeit beurlaubt für einen Lehrauftrag an der privaten Hamburger Hochschule "Bucerius Law School", die von der Zeit-Stiftung getragen wird. Volk unterrichtet an der Münchner Ludwig-Maximilians Universität - Strafrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht. Weigell hat sich unter anderem mit Veröffentlichungen zum internationalen Steuerrecht einen Namen gemacht.

Ein einziger Steuerfahnder vom Finanzamt München I war Becker jahrelang auf den Fersen und trug Unmengen von Beweismaterial zusammen, das unter anderem von Hausdurchsuchungen stammte. Das Material - fast ein Lieferwagen voll, so heißt es - setzte der Steuerfahnder zu einem Puzzle zusammen. Es war eine mühselige Arbeit, denn Aktivitäten rund um den ganzen Erdball mussten rekonstruiert werden. Erst vor gut einem Jahr wurde der Fall von der Staatsanwaltschaft übernommen, die nach eingehender Prüfung Anklage erhob. In der 46 Seiten umfassenden Anklageschrift sind die Vorwürfe aufgelistet, letztlich geht es nur um die Frage von Beckers Wohnsitz zwischen 1991 und 1993.

Im Vorfeld des Prozesses war immer wieder über einen "Deal" der Verfahrensbeteiligten spekuliert worden, wonach Becker bei Steuernachzahlung und einem Geständnis sich einen langen Prozess ersparen und mit einer Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren davonkommen könnte. Eine solche Verständigung gibt es nach Angaben aus Justizkreisen definitiv aber nicht - noch nicht, muss man vielleicht sagen. Denn auch im laufenden Prozess ist ein solcher "Deal" noch möglich. Immerhin hat das Gericht für den Prozess zur allgemeinen Überraschung bisher nur drei Verhandlungstage angesetzt.

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