Prozessauftakt
EM.TV-Gründer Haffa bestreitet Kursbetrug

Der frühere EM.TV-Chef Thomas Haffa hat zum Auftakt seines Strafprozesses den Vorwurf zurückgewiesen, er habe die Krise des Münchener Medienunternehmens gegen besseres Wissen lange Zeit vertuscht.

Reuters MÜNCHEN. "Zu keinem Zeitpunkt hat der Vorstand die Aktionäre falsch informiert und die Lage des Unternehmens falsch dargestellt", sagte der Firmengründer am Montag vor dem Landgericht München. EM.TV war im Herbst 2000 in die Krise geraten, als Haffa mit seinem Bruder Florian die Märkte mit einer völlig überraschenden Gewinnwarnung schockte. Der Aktienkurs war daraufhin um 90 Prozent eingebrochen. Staatsanwalt Peter Noll warf den Brüdern Kursbetrug vor, weil sie bis zuletzt die Krise von EM.TV verheimlicht und noch im August 2000 wissentlich falsche Halbjahreszahlen veröffentlicht hätten.

Der erste Strafprozess gegen frühere Manager aus dem Neuen Markt-Segment steht symbolisch für den Niedergang des einstigen Wachstumssegments, das die Deutsche Börse nach zahlreichen Negativschlagzeilen nun im kommenden Jahr auflösen wird. EM.TV galt als Vorzeigeunternehmen, mit dessen Aktien zuletzt aber unzählige Kleinaktionäre viel Geld verloren haben. Das einst 110 Euro teure Papier war am Montag knapp ein Euro wert.

Haffa sagte in einer einstündigen Erklärung, er habe erst kurz vor der Gewinnwarnung erfahren, dass EM.TV seine Ziele nicht erreichen könne. Der Kinderfilmhändler hatte im Dezember 2000 in einer Pflichtmitteilung erklärt, es werde sein Jahresziel eines operativen Gewinns (Ebit) von 525 Millionen Mark nicht erreichen und statt dessen nur 50 Millionen Mark erwirtschaften. Tatsächlich verbuchte EM.TV 2000 aber sogar einen Jahresfehlbetrag von rund 2,7 Milliarden Mark. Haffa trat im Juli 2001 ab, sein Bruder warf als Finanzvorstand bereits Ende 2000 das Handtuch.

Staatsanwalt Noll warf den Haffas vor, sie hätten lange um die Krise des Unternehmens gewusst. Noch im November habe Florian Haffa in Interviews und bei Analystentreffen erklärt, die Geschäft liefen "super". Damit habe er den Börsenkurs nach oben zu treiben versucht. EM.TV hat sich bis heute von der Krise nicht erholt. Haffas Nachfolger Werner Klatten fährt seitdem einen Kurs der Gesundschrumpfung und verkauft alle überflüssigen Beteiligungen.

Ob die Haffas überhaupt belangt werden können, ist unter Rechtsexperten umstritten. Nach dem vierten Finanzmarktförderungsgesetz ist Kursbetrug nur dann strafbar, wenn Aussagen tatsächlich den Aktienkurs beeinflusst haben. Der Versuch eines Kursbetrugs gilt seit Juli nur noch als Ordnungswidrigkeit. Zu dem Prozess kamen viele Kleinaktionäre, die Schadenersatzklagen eingereicht haben. "Ich habe viel durch Haffa verloren", sagte der Werbekaufmann Robert Kaufmann, der für 150 000 Mark EM-TV-Aktien gekauft hatte. Im Falle einer strafrechtlichen Verurteilung rechnen sich Aktionärsschützer für die Schadenersatzforderungen bessere Chancen aus, weil Zivilrichter häufig die Entscheidungen der Strafverfahren abwarten.

Der Prozess gegen die Haffas ist nur der Auftakt einer Reihe von Verhandlungen gegen Ex-Manager einstiger Vorzeigeunternehmen vom Neuen Markt. Vom 14. November an wird dem früheren Comroad-Chef Bodo Schnabel und seiner Frau Ingrid der Prozess gemacht, die für den größten Skandal des Segments verantwortlich sein sollen. Der Münchener Telematik-Anbieter hatte sich dem Ergebnis von Sonderprüfungen zufolge 98 Prozent seiner Umsätze in den Jahren 1998 bis 2000 ausgedacht. Auch die früheren Chefs des Augsburger Software-Unternehmens Infomatec müssen sich wegen Kursbetrugs verantworten.

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