Prozessauftakt: Fall Jakob: Polizeifolter steht im Mittelpunkt

Prozessauftakt
Fall Jakob: Polizeifolter steht im Mittelpunkt

Die Folterdrohung der Frankfurter Polizei gegen den Angeklagten steht im Mittelpunkt des Prozessauftaktes um den Tod des Bankierssohns Jakob von Metzler. Wegen der möglicherweise illegalen Verhörmethoden wollen die Verteidiger des 27 Jahre alten Rechtreferendars Magnus G. am Mittwoch die Einstellung des Verfahrens beantragen.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Sie sehen in den vom Vize-Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner angeordneten Gewaltdrohungen ein "absolutes Verfahrenshindernis".

Magnus G. ist vor dem Frankfurter Landgericht wegen Mordes und erpresserischen Menschenraubs angeklagt. Er hat in zwei ausführlichen Vernehmungen vor einem Staatsanwalt und einer Richterin gestanden, den elf Jahre alten Jakob am 27. September 2002 entführt und getötet zu haben. Während der Suche nach dem Kind war er auf Weisung Daschners von einem Polizisten mit Schmerzen bedroht worden, die er sein Leben lang nicht vergessen würde. Der Beschuldigte hatte die Polizei daraufhin am 1. Oktober zum Leichenversteck in einem osthessischen See geführt. Der Polizei-Vize hat den Vorgang in einer Aktennotiz festgehalten und sich auf einen übergesetzlichen Notstand berufen, weil er das Leben Jakobs retten wollte. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn und den ausführenden Polizisten wegen Aussage-Erpressung ist noch nicht abgeschlossen.

Verteidiger Hans Ulrich Endres hält die beiden von seinem Mandanten abgelegten Geständnisse wegen der Folterdrohung für nicht verwertbar im Prozess. Selbst das zweite, vier Monate nach der Drohung abgelegte Geständnis vor einer Berufsrichterin könne wegen einer mangelhaften Rechtsbelehrung nicht verwendet werden, sagt der Anwalt. Die Richterin hätte den Angeklagten seiner Meinung nach umfassend darüber aufklären müssen, dass die Aussagen aus dem ersten Geständnis in keiner Form hätten verwendet werden dürfen.

Die 22. Strafkammer des Landgerichts hat bislang 15 Sitzungstermine bis in den Juli hinein terminiert. Die Familie des Opfers lässt ihre Interessen als Nebenkläger von zwei Anwälten vertreten, will aber nicht selber an der Verhandlung teilnehmen. Das Gericht hat die von Metzlers bislang nicht als Zeugen benannt. An den ersten beiden Verhandlungstagen ist zunächst die Vernehmung des Angeklagten zur Person und Sache geplant. Es wird damit gerechnet, dass er im Fall der Ablehnung des Einstellungsantrags ein drittes, möglicherweise eingeschränktes Geständnis ablegt. Gegen ihn liegen auch eine große Anzahl von Indizien vor.

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