Prozessauftakt
Vergewaltiger der kleinen "Anna" legt Geständnis ab

Zu Beginn des Prozesses um die Vergewaltigung der siebenjährigen Anna auf einer Münchner Schultoilette hat der Angeklagte am Montag ein volles Geständnis abgelegt.

HB/dpa MÜNCHEN. "Es tut mir leid ... Was ich getan habe, ist total abscheulich", las der Verteidiger des 19-Jährigen aus einer Erklärung des mutmaßlichen Serien- Vergewaltigers vor. Er sei praktisch froh über seine Festnahme gewesen. Mit dem Geständnis ersparte er dem siebenjährigen Mädchen zumindest, selbst vor dem Landgericht München I erscheinen zu müssen. Im "Fall Anna" wird ihm Mordversuch und Vergewaltigung vorgeworfen. Außerdem wird er der Notzucht an zwei Frauen beschuldigt.

Ein Psychiater bescheinigte dem Angeklagten am Montag, dieser sei bereits seit seiner Kindheit von Vergewaltigungs-Fantasien heimgesucht worden. Gleichzeitig wurde aber auch die schwierige Kindheit des mutmaßlichen Täters deutlich. Sein alkoholkranker Stiefvater schlug das Kind regelmäßig. Schon früh hatte der spätere Vergewaltiger Kontakt zur Kinder- und Jugendpsychiatrie. Später folgte ein Aufenthalt in einem geschlossenen Heim. Mit 16 Jahren wurde er alkoholabhängig und glitt in die Stricherszene ab.

Der Anklage zufolge vergewaltigte der 19-Jährige im Oktober 2001 die Siebenjährige auf der Toilette einer Münchner Schule. Er würgte das Kind halb tot und missbrauchte es. Zwei Monate zuvor soll er sich in einer Münchner Klinik an einer 22 Jahre alten tschechische Studentin vergangen haben. In der Silvesternacht 2001 verging er sich zudem an einer 56-jährigen Gastwirtin. Nach Ermittlungspannen wurde er erst nach dieser Tat Anfang 2002 geschnappt.

Bei einer Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht drohen dem 19- Jährigen bis zu zehn Jahre Haft. Sollte er nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, ist eine lebenslange Haftstrafe möglich. Der psychiatrische Gutachter empfahl vor Gericht wegen Wiederholungsgefahr die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt. Schon früher war dem Mann mangelnde Therapiefähigkeit bescheinigt worden. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 14. Oktober geplant. Am 21. Oktober soll das Urteil gesprochen werden.

Nach Aussage des Rechtsanwalts der Familie von "Anna", Klaus Gussmann, hat das inzwischen acht Jahre alte Kind die Schreckenstat noch nicht verarbeitet. Die Therapie dauere an. Körperlich habe das Opfer die Tat gut überstanden. Gussmann vertritt im Prozess die Nebenklage. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt.

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