Prozessbeginn voraussichtlich im Herbst
Ex-EM.TV-Vorstände bleiben gelassen

Die ehemaligen Vorstände und Gründer des einstigen Börsenstars EM.TV & Merchandising AG, Thomas und Florian Haffa, sehen dem anstehenden Strafverfahren wegen des Verdachts auf Kursbetrug gelassen entgegen.

Reuters DÜSSELDORF. Das Verfahren werde zeigen, dass sie zu keinem Zeitpunkt die wirtschaftlichen Verhältnisse von EM.TV bewusst falsch dargestellt hätten, erklärten die beiden Ex-Manager des am Neuen Markt im Auswahlindex Nemax 50 notierten Medienunternehmens am Sonntag. "Wir wissen, dass wir uns nicht strafbar gemacht haben." Damit bestätigten sie Presseberichte vom Vortag, denen zufolge das Landgericht die Anklage der Münchener Staatsanwaltschaft zum Hauptverfahren zugelassen hatte. Beim Landgericht war am Wochenende niemand zu erreichen. Ein Sprecher von EM.TV sagte auf Anfrage, das Unternehmen wolle sich zu dem Verfahren nicht äußern. Es beziehe sich auf die Brüder Haffa, nicht aber auf EM.TV.

Bei ihrer Verteidigung berufen sich Thomas und Florian Haffa nach eigenen Angaben auf ein Rechtsgutachten des Sachverständigers Prof. Wolfgang Lück, der an der Universität München tätig ist. Dieses komme zu dem Ergebnis, dass die zwischen August und November 2000 getroffenen EM.TV-Prognosen "mit den Anforderungen des Rechts der internationalen Rechnungslegung vereinbar waren", hieß es in der Erklärung weiter. Deshalb werde mit einem positiven Ergebnis in dem Verfahren gerechnet.

Mehrere Schadenersatzverfahren

Der Aktienkurs von EM.TV war im Herbst 2000 nach einer überraschenden Gewinnwarnung um mehr als 90 Prozent eingebrochen. Derzeit laufen gegen das Unternehmen deshalb auch mehrere Schadensersatzverfahren, vier davon wurden aber bereits wegen mangelnder Grundlage abgewiesen. Haffa selbst hat wesentliche Teile seines Aktienpakets zu Jahresbeginn an den neuen EM.TV-Chef Werner Klatten verkauft.

Nach Angaben des "Spiegel" wird der Prozess voraussichtlich erst im Herbst beginnen. Im Rahmen des Verfahrens dürften auch der 75-jährige Medien-Mogul Leo Kirch, dessen Imperium kürzlich in Teilen Insolvenz angemeldet hat, sein Vertrauter Dieter Hahn sowie ProSiebenSat.1-Chef Urs Rohner als Zeugen vorgeladen werden, hieß es in dem Artikel. Sie allen waren bedeutende Geschäftspartner der Haffas. Bei einer Verurteilung könnten den Haffa-Brüdern nach Angaben des Nachrichtenmagazins bis zu drei Jahren Haft drohen.

Unterdessen berichtete der "Focus", die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) habe eine weitere Strafanzeige gegen die ehemaligen Verantwortlichen bei EM.TV gestellt, weil die Kirch-Gruppe für einen Bankkredit auch den 16,7-prozentigen Anteil von EM.TV an der Formel 1 verpfändet hatte. Das Geschäft war damals nur durch die persönlichen Beziehungen zwischen Thomas Haffa und Leo Kirch zu Stande gekommen.

EM.TV hat bereits angekündigt, dass im Falle einer zwangsweisen Verwertung des Pfands Sonderabschreibungen von bis zu 256 Millionen Euro drohen. "Für uns gibt es keine ersichtliche Gegenleistung dafür, dass EM.TV seine Anteile an der Formel 1 für Kirch verpfändet hat", zitiert der "Focus" DSW-Landesgeschäftsführerin Daniela Bergdolt. Der EM.TV-Sprecher wollte die angebliche Strafanzeige zunächst nicht kommentieren.

Die EM.TV-Aktie, einst weit über 100 Euro wert, war am Freitag mit 1,43 Euro aus dem Handel gegangen.

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