Prozessbeginn zwei Jahre nach der Explosion einer Feuerwerksfabrik
Prozess um Katastrophe von Enschede beginnt

Knapp zwei Jahre nach dem Tod von 22 Menschen bei der Explosionskatastrophe in der niederländischen Stadt Enschede hat der Prozess gegen die Direktoren einer Feuerwerks-Fabrik begonnen.

dpa DEN HAAG. Ruud Bakker und Wim Pater müssen sich seit Montag vor einem Gericht in Almelo wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Den Angeklagten werden ferner Verstöße gegen Umweltschutzbestimmungen zur Last gelegt. Sie sollen zugelassen haben, dass zu viel und zu schweres Feuerwerk auf dem Betriebsgelände gelagert wurde. Die Explosionen hatten am 13. Mai 2000 ein ganzes Wohnviertel dem Erdboden gleich gemacht.

Das Gericht bestätigte nach mehrstündiger Debatte zunächst die Zulässigkeit der Anklage. Zuvor hatten sich die Verteidiger darüber beschwert, dass mehrere hundert vertrauliche Telefongespräche der Angeklagten von der Polizei illegal abgehört worden seien. Dabei hätten die Ermittler nicht immer im Einklang mit den Bestimmungen gehandelt, stellte das Gericht fest. Es gebe jedoch keinen Grund, die Anklage zurückzuweisen.

Die Verteidiger hatten vor allem kritisiert, dass der Inhalt von mindestens fünf Gesprächen in die Unterlagen der Staatsanwaltschaft geriet, obwohl dies nicht zulässig sei. Staatsanwalt Herman Stam räumte dies ein, betonte jedoch, das Abhören der Gespräche sei im gesetzlichen Rahmen erfolgt. Niemand hätte das Gericht hinters Licht führen wollen. In eineinhalb Jahren hätten rund 14 000 Gespräche stattgefunden, die Auswertung der fünf Gespräche sei ein Versehen gewesen.

Verteidiger und Anklage hatten sich bei der Erörterung der Vorwürfe übereinstimmend dafür eingesetzt, die Anklage zuzulassen und das Verfahren so zu ermöglichen. Die Anwälte betonten, ihre Mandanten hätten Anspruch auf ein Urteil, das sie von jedem Vorwurf freispreche. Für das Verfahren sind insgesamt elf Verhandlungstage vorgesehen.

Im April soll es in einem weiteren Verfahren um die Frage gehen, wie die Brände entstanden sind, die zu den Explosionen führten. Ein 34 Jahre alter Mann wird der Brandstiftung beschuldigt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte er in der Untersuchungshaft vor zwei Mitgefangenen zugegeben, das Feuer gelegt zu haben.

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