Prüfung durch Kartellbehörde nach vier Monaten abgeschlossen
EU genehmigt Adtranz-Übernahme durch Bombardier

Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat die Übernahme des zum Daimler-Chrysler-Konzern gehörenden Bahntechnik-Herstellers Adtranz durch die kanadische Bombardier-Gruppe gebilligt. Voraussetzung für die Zustimmung sei gewesen, dass die beiden Firmen über die Vergabe von Lizenzen das Weiterbestehen anderer Unternehmen im Bereich kleinerer Regional- und Straßenbahnen sicherten, teilte die EU am Dienstag in Brüssel mit.

rtr BRÜSSEL. Die Daimler-Chrysler Rail Systems GmbH (Adtranz) und Bombardier hätten dieser Auflage zugestimmt. Bombardier steigt den EU-Angaben zufolge durch die 725 Mill. Dollar teure Übernahme zum weltweit größten Anbieter von Schienenfahrzeug-Technik auf. Der kanadische Konzern begrüßte ebenso wie Daimler-Chrysler die Entscheidung der EU.

Die Vereinbarung über die Lizenzen für kleinere Wettbewerber soll den EU-Angaben zufolge das Überleben verschiedener europäischer Adtranz-Konkurrenten wie der schweizerischen Stadler Rail oder den Mittelständlern Kiepe und Elin gewährleisten. So müsse Bombardier für einen bestimmten Zeitraum Aufträge in festgelegter Höhe vergeben. Auch müsse Adtranz einen Minderheitsanteil am österreichischen Hersteller von Elektro-Antrieben, Elin, verkaufen. Auch müsse die frühere Daimler-Chrysler-Tochter eine mit Stadler gegründete Gemeinschaftsfirma aufgeben. Insgesamt sollten diese Maßnahmen das Weiterbestehen eines Wettbewerbs auf dem Markt für Schienentechnik gewährleisten, erklärte die Europäische Union.

Sie machte zugleich jedoch klar, dass sie die weitere Konzentration in der Bahntechnik-Industrie genauestens im Auge behalten wolle. Weitere Firmenzusammenschlüsse auf diesem Markt würden wahrscheinlich genaueste Prüfungen auf sich ziehen, teilten die Brüsseler Wettbewerbswächter mit. Die EU-Prüfung des Bombardier-Einstiegs bei Adtranz hatte vier Monate gedauert. Der neue Konzern werde je rund die Hälfte der Märkte für Regionalzüge und Straßenbahnen in Deutschland auf sich vereinen. Insgesamt wird sich Bombardier vor die beiden europäischen Konkurrenten Siemens und Alstom schieben. Bombardier ist auch im Flugzeugbau tätig und setzte im vergangenen Geschäftsjahr gut 16 Mrd. kanadische Dollar um.

Bombardier und Daimler-Chrysler begrüßten in Stellungnahmen die EU-Genehmigung. Die Transaktion solle bis zum 1. Mai abgeschlossen sein, teilte Bombardier mit. Daimler-Chrysler-Vorstand Manfred Bischoff bezeichnete den Adtranz-Verkauf als einen weiteren Schritt seines Konzerns bei der Fokussierung auf das Automobilgeschäft. Adtranz und die Beschäftigten hätten nun eine klare Zukunftsperspektive im Konzern des weltweit größten Anbieters von Bahntechnik. Adtranz hatte den Angaben zufolge im vergangenen Jahr mit seinen rund 20 000 Mitarbeitern 3,9 Mrd. ? umgesetzt und ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt.

Betriebsräte beider Unternehmen sowie die IG Metall befürchten eigenen Angaben zufolge als Folge der Übernahme vor allem in Deutschland Standortreduzierungen und Arbeitsabplatzabbau. In einer gemeinsamen Presseerklärung hieß es, in beiden Unternehmen seien bereits in den letzten Jahren "dramatische Einschnitte" auf dem Rücken der Beschäftigten erfolgt. Die Betriebsräte forderten von der Bombardier-Führung eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen als Folge der Übernahme ausschließe.

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